Avatar statt Personaltrainer - Die moderne Diät?

Stellen Sie sich vor, sie könnten sich selbst beim Abnehmen beobachten und bildhaft vor Ihnen sehen, was sie mit Sport und gesunder Ernährung erreichen können. Vielleicht haben Sie schon viele Diäten ausprobiert und haben den Glauben an eine Änderung Ihrer Situation verloren. Manche verlieren über die ständigen Misserfolge und Frustrationen sogar die Vision eines besseren und vor allem gesünderen Ichs.

An diesem Punkt setzte eine kleine Pilotstudie an der George Washington University unter der Versuchsleitung von Melissa Napolitano an.

Die Studie im Detail

Bei der Studie zum Thema Gewichtsverlust haben die Forscher um Napolitano einen völlig neuen Weg beschritten: Sie setzten Avatare als eine Art Personaltrainer ein, um so ihre Probanden zum Abnehmen und einer gesunden Lebensführung zu motivieren. Avatare sind Abbilder echter Personen in einem virtuellen Setting wie einem Computerspiel oder einer Lernsoftware. In diesem Falle sollte der Avatar dem Benutzer einen Lerneffekt ermöglichen, indem er ihm gesundes Verhalten in Bezug auf Essen, Einkaufen und Sport „vorlebt“. Entscheidend war dabei der Faktor der Ähnlichkeit. Durch eine Individualisierung der Avatare konnten die Benutzer viel leichter „den Avatar automatisch als Menschen annehmen, mit dem man sozial interagieren kann“, so Andreas Mühlberger, Klinischer Psychologe an der Universitär Regensburg.

Die Studie wurde in zwei Stufen unterteilt. In einem ersten Schritt wurden übergewichtige und durch vergangene bereits gescheiterte Diäten frustrierte, übergewichtige Frauen befragt, ob sie sich vorstellen könnten, an einem Abnehmprogramm mit einem individualisierten Avatar teilzunehmen. Neun von zehn Probandinnen beantworteten diese Frage mit ja. In einem zweiten Schritt nun wurde ein vierwöchiges Experiment mit insgesamt acht Probandinnen angelegt, die die selben Kriterien erfüllten, wie die vorherigen.

Einmal pro Woche kamen die Teilnehmerinnen in die Klinik und sahen sich einen 15 Minuten andauernden Film an, welcher ihren Avatar beim ausführen der angestrebten gesundheitsbewussten Verhaltensweisen zeigte. Darüber hinaus formulierten die Probandinnen explizite Ziele und dokumentierten sowohl ihr Ernährungs- als auch Bewegungsverhalten im Alltag. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Im Schnitt nahmen die übergewichtigen Frauen im Rahmen der Untersuchung 1,6 KG ab. Dieses durchaus positive Ergebnis muss jedoch etwas zurückhaltend betrachtet werden, da die Aussagekraft der Studie zum einen durch die geringe Teilnehmerzahl und zum anderen auch durch die ungeklärten Anteile der Klinik-Besuche am letztendlichen Erfolg beeinträchtigt wird.

Dennoch sind die Ergebnisse zukunftsweisend

Mühlberger bewertet die generierten Ergebnisse der Studie jedoch trotz eingeschränkter Aussagekraft als durchaus positiv. Der Experte für Angsterkrankungen ist der Meinung, dass ein solchen Verfahren auch in Deutschland Fuß fassen könnte und angesichts der jüngsten Fortschritte in Computergrafik und Künstlicher Intelligenz Forschung ein hohes Potential birgt. Außerdem ist eine Anwendung des erprobten Ansatzes auch auf andere Felder der therapeutischen Bandbreite durchaus denkbar: Bei Essstörungen könnten die Patienten beispielsweise eine leichte Gewichtszunahme simulieren und lernen, dass dieser in keine persönliche Katastrophe münden muss.

Menschen mit Körperschema-Störungen könnten mit Hilfe eines Avatars lernen, den eigenen Körper wieder der Realität entsprechend wahrzunehmen. Ein weiteres Pilotprojekt zum Thema Avatare in der Therapie hat die niederländische TU Delft ins Leben gerufen: Sozialphobiker konnten hier anhand der Simulation namens „Blind Date“ verschiedene soziale Kontexte am Computer erproben, die im wirklichen Leben starke Angstzustände auslösten. Welche Szenarien und Interaktionen dabei für den einzelnen Patienten im Training sinnvoll sind, entscheidet der Therapeut und begleitet gleichzeitig auch das Aushalten der negativen Gefühle und Finden neuer Lösungsansätze während der Benutzung des Programms.

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