Foodamentalismus - wenn Ernährungstrends zu Mangelernährung führen

Seit mehreren Jahren kursiert der Begriff „Foodamentalismus“ in diversen Blogs, sozialen Netzwerken und Ratgebern. Doch was genau versteht man unter diesem Begriff? Erstmals geprägt wurde er vom Psychosomatiker Johann Kinzhel von der Universität Innsbruck und fast mehrere Ernährungstrends wie beispielsweise vegane oder vegetarische Ernährung sowie mehr oder weniger scheinbare Unverträglichkeiten über Gluten oder Laktose zusammen. Mittlerweile kann man von einem regelrechten Foodamentalismus-Boom sprechen, der teilweise schwerwiegende Folgen mit sich bringt.

Viele Zusätze in Ersatzprodukten sollen gesundheitliche Vorteile versprechen

Obwohl es sich dabei um einen Fitness- und Gesundheits-Trend bzw. um mehrere einzelne Trends handelt, ist Foodamentalismus nicht unbedingt gesund. Denn obwohl grundsätzlich nichts gegen vegane oder vegetarische Ernährung spricht, enthalten solch deklarierte Ersatzprodukte zum Teil sehr viele Zusatzstoffe. So stecken beispielsweise in Fleischersatz oftmals Geschmacksverstärker wie Glutamat, das zwar per se nicht schädlich ist, jedoch zu einer Desensibilisierung der Geschmacksnerven führen kann. Und auch an Produkten, die ursprünglich für Menschen mit Unverträglichkeiten entwickelt wurden, lässt sich ein ähnlicher Effekt beobachten: So werden glutenfreien Produkte oftmals zusätzlich Fett, Zucker und Bindemittel zugesetzt, um sie schmackhafter zu machen.

Mangelernährung aufgrund von scheinbar gesunder Ernährung

Ein weiterer Irrtum, der gefährliche Folgen hat, ist Kindern bestimmte Ernährungsweisen aufzuzwingen. Denn was für Erwachsene gut ist, kann für die Kleinen ja nicht schlecht sein, oder? Für Kinder jedoch kann eine vegane Ernährung beispielsweise zu einem Vitamin B12-Mangel führen, insofern das Vitamin nicht über Nahrungsergänzungsmittel zugeführt wird. Aber auch Erwachsene müssen bei einer solchen Ernährungsweise auf eine abwechslungsreiche Kost achten, denn extreme Varianten wie die Rohkost-Diät können zu einem starken Untergewicht führen, da manche Nährstoffe erst durch Erhitzen der Nahrung verfügbar werden. Bei Frauen, die lange Zeit von Rohkost leben, kann es beispielsweise zum Ausfall der Regel aufgrund von Unterernährung kommen.

Soziale Netzwerke bestärken die Ernährungsirrtümer noch mehr Essen ist heutzutage mehr als nur lebensnotwendig, sondern mittlerweile auch Teil unseres Lifestyles. Vor allem in sozialen Netzwerken ist das Teilen von Essensfotos längst Usos geworden und hat diese zu neuen Statussymbolen gemacht: Wer sich vegan ernährt, kann damit im Internet – gewollte oder ungewollte – moralische Überlegenheit gegenüber Vegetariern und Fleischessen demonstrieren. Doch bislang haben Studien keine signifikante Verbesserung der Gesundheit durch drastische Diäten wie glutenfreier Ernährung oder veganer Lebensweise nachweisen können, wenn die Probanden sich auch bislang ausgewogen ernährten.

Auch fehlen bislang jegliche Belege für andere Vorzüge glutenfreier Ernährung, zum Beispiel dass diese die Haut gesünder macht oder zu weniger Kopfschmerzen führt. . Dieses Fehlen jeglicher Nachweise, dass solche Formen einseitiger Ernährung auch wirklich gesundheitliche Vorteile mit sich bringen, die über die offensichtlichen gegenüber Junk-Food und Co. hinausgehen, wird gerne mit ästhetisch ansprechenden Bildern kaschiert. Auf diese Weise verkommen jedoch sonst sinnvolle bzw. für Personen mit Unverträglichkeiten notwendige Ernährungsweisen zu reinen Trends. Der Verzicht wird daher als Lifestyle ausgeübt, angetrieben von Sozialen Netzwerken, die wiederum den Foodamentalismus noch mehr verbreiten.

 

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