Wachkoma- Forscher wollen Gedanken sichtbar machen

Im eigenen Körper gefangen – das ist das Trauma vieler Patienten, die nicht wirklich im Koma lagen, aber so behandelt wurden als ob. Es kann nach operativen Eingriffen im Zentralnervensystem dazu kommen, dass Menschen entweder im Koma liegen oder ihre Bewegungs- und Ausdrucksfähigkeit nur partiell beeinträchtigt ist – bis hin zur Lähmung. Diese Differenzierung ist jedoch schwer zu diagnostizieren. Hierfür sollen jetzt neue medizinische und neurowissenschaftliche Methoden Abhilfe schaffen.

Locked-In, Koma und Wachkoma

Unser Gehirn besteht aus drei großen Teilen, dem Klein- Mittel- und Großhirn, beziehungsweise der Großhirnrinde. Evolutionär sind sie in dieser Reihenfolge entstanden. Reflexe und unbewusste Bewegungssteuerung liegen im Kleinhirn, das Bewusstsein erscheint langsam im Mittelhirn und höhere mentale Funktionen, wie das Planen einer Ausstellung von präparierten Körpern zur Darstellung der menschlichen Anatomie. Wenn das Großhirn ausfällt, was nach Operationen oder Traumata wie Unfällen der Fall sein kann, kommt es zum Koma. Dieses wird in Grade unterteilt, die auch das Wachkoma bezeichnen, was einer Art „Aufwachphase“, zum Beispiel nach einer Operation nahe kommt, in der sich das Gehirn erholt und die normalen Aktivitätsmuster annimmt. In den schwereren Graden des Komas fallen die jeweils tieferliegenden, älteren Teile des Gehirns aus und nehmen einem Patienten so zunächst die höheren Denkvorgänge, die auch das Planen und rationale Überlegen beinhalten, dann die bewusste Motorik und zuletzt fast jede Muskelsteuerung. Deswegen muss in solchen Fällen eine künstliche Beatmung und Ernährung eingeleitet werden. Nur die rudimentärsten Körperfunktionen werden noch durch den Körper selbst aufrechterhalten. Beim Locked-In-Syndrom ist es nun so, dass nur die bewusste Steuerung der Motorik ausfällt – andere höhere Bewusstseinsanteile sind jedoch noch vorhanden – der Patient erlebt sich als gefangen im eigenen Körper und ist unter Umständen nur durch Augenbewegungen in der Lage mit der Umwelt zu kommunizieren.

Neue Diagnoseverfahren

Mediziner und Wissenschaftler haben im Moment noch das Problem, dass sie zwar um das Vorkommen dieser verschiedenen komatösen Zustände wissen, jedoch eine differenzierende Diagnose im Alltag des Krankenhauses noch nicht routine-artig etabliert wurde. Auch grundlegende Fragestellungen sind noch nicht geklärt. So geht man zwar davon aus, dass sich viele das Bewusstsein eines Individuums involvierende Prozesse im Thalamus, also dem Mittelhirn, abspielen. Doch wie diese nun mit höheren mentalen Prozessen interagieren und welche Teile jetzt genau bei welcher Aktivität welche Bewusstseinsanteile für das subjektive Erleben ermöglichen – diese Fragen sind noch nicht abschließend geklärt. Ohnehin ist die Frage des Bewusstseins eine schwierige für Psychologen und Neurowissenschaftler. Interessanterweise ist das Wissen um die Funktionalität des Gehirns neben Tierexperimenten auch immer über Patientenstudien vorangeschritten. Auch heutzutage sollen Studien an als komatös diagnostizierten Patienten Aufklärung über solche Fragen bringen. Hierfür wird die Gehirn Aktivität von Koma-Patienten gemessen.

Dafür dienen EEGs und f-MRTs, die entweder eine ungefähre oder eine sehr genaue Hirnaktivität erfassen können. Für die Untersuchungen werden die Patienten instruiert, sich eine Bewegung vorzustellen. Eine Ableitung der Hirnaktivität am Motor-Kortex zeigt, ob die Probanden diese Instruktion ausführen können, damit zu einem gewissen Grad bewusst sind und nur ihre motorische Fähigkeit eingeschränkt ist. Andere Patienten reagierten mit für bewusste Personen charakteristischen Hirnaktivitäten auf bestimmte alltägliche Reize, wie Beschreibungen eines Tagesablaufs – so als würden sie sich den Verlauf der Geschichte mental vorstellen. Diese Patienten wachten auch mit einer höheren Wahrscheinlichkeit wieder auf, als Patienten, die nicht auf diese Reize reagierten. Damit wären sie eher der Kategorie der Locked-in-Patienten oder dem Wach-Koma zuzuschreiben. Diese Untersuchungen sollen Fehldiagnosen und Unsicherheit von Ärzten und Patienten über den Zustand und die Prognose ihrer Anvertrauten verringern. Die Technik ist jedoch kostspielig, aufwendig und muss von geschultem Personal durchgeführt werden, um die Ergebnisse auch richtig interpretieren zu können. Daher wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis diese Verfahren verlässlich den tatsächlichen Zustand eines verloren wirkenden Patienten ermitteln können.

 

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