Das Messie-Syndrom

Der Begriff Messie kommt aus dem Englischen und beschreibt ein Phänomen, das man auch als „zwanghaftes Horten von Wertlosem“ bezeichnen kann. Wer unter dem Messie-Syndrom leidet, sammelt Dinge, die andere als unbrauchbar oder bestenfalls überflüssig betrachten würden. Da sich die Betroffenen nicht von diesen Dingen trennen können, versinken ihre Wohnungen meist im Chaos.

In vielen Fällen ist ihr Wohnbereich zum Teil nicht mehr begehbar. Was zum Ziel ihrer Sammelwut wird, ist höchst unterschiedlich. Viele horten Zeitungen oder Unterlagen, aber auch Kleidung, alte Elektrogeräte oder Geschirr. Bezeichnend an dieser Störung ist, dass die Betroffenen diesen Dingen einen enormen Nutzen beimessen. Aus Scham über den Zustand ihrer Umgebung, lassen Messies meist niemand mehr in die Wohnung und brechen soziale Kontakte mit der Zeit ab.

Der Begriff Messie assoziiert bei den meisten Menschen das Sammeln von Essensresten oder Müll. Dies betrifft jedoch nur eine kleine Minderheit der Betroffenen. Dieses Vermüllungssyndrom tritt meist in Zusammenhang mit Demenz oder Schizophrenie auf und wird dann fälschlicherweise als Messie-Syndrom bezeichnet.

Verlauf und Verbreitung des Messie-Syndroms

Fachleute schätzen, dass etwa 300.000 Menschen hierzulande davon betroffen sind. Leider existieren darüber keine genauen Zahlen, da die Dunkelziffer der Betroffenen hoch ist.  Offenbar sind mehr Frauen davon betroffen, sie sind es aber auch, die sich um Hilfe bemühen. Die Tendenz zum Horten besteht offenbar schon in der Jugend, meist sind die Erkrankten aber erst im mittleren Alter davon beeinträchtigt. Wird nicht interveniert, so steigert sich die Symptomatik im Alter.

Wie entsteht das Messie-Syndrom?

Noch sind die Ursachen nicht ganz geklärt. Laut wissenschaftlicher Untersuchungen spielen die folgenden Faktoren jedoch eine entscheidende Rolle:

1. Neurobiologie

Brauchbare Dinge zu sammeln ist ein Instinkt, der im Hypothalamus verankert ist. In der Regel wird dieser Impuls im vorderen Stirnhirn angepasst. Dabei kommt es darauf an, was innerhalb der Gesellschaft akzeptiert ist und was zu Ablehnung führt. Bei einem Messie funktioniert dieser Teil des Gehirns anders. Für sie besitzen auch völlig wertlose Gegenstände wie ein alter Einkaufszettel große Bedeutung. Sie werden als Teil ihres Lebens und damit ihrer Persönlichkeit empfunden.

2. Kognitive Defizite

Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass sich Messies mit Entscheidungen, Planungen oder dem Organisieren eher schwer tun. Sie sind kaum in der Lage, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Auch Dinge unter einem gemeinsamen Oberbegriff zusammenzufassen, ist für sie praktisch unmöglich.

3. Persönlichkeit

Menschen mit Messie-Syndrom sind oft perfektionistisch veranlagt. Für sie wird oberflächliches Aufräumen damit unmöglich. Sie möchten einen umfassenden Hausputz machen und scheitern dann aber an dieser zeitraubenden Aufgabe. Oftmals ist auch der mangelnde Raum auch ein Grund dafür.

Welche Folgen hat das Messie-Syndrom?

Die meisten Messies schämen sich für ihre Unordnung und würden dies gern ändern. Andererseits verteidigen sie ihre Sammelleidenschaft und reagieren ablehnend auf Hilfsangebote. Um diesen Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen, zieht sich ein Messie dann oft komplett zurück. Dies verstärkt ihre soziale Isolation noch. Besonders die Kinder aus einem betroffenen Haushalt leiden besonders darunter, so aufzuwachsen. Wobei das zwanghafte Horten oft mit anderen psychischen Krankheiten wie Depressionen, Essstörungen oder Ängsten einhergeht.

 

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