Ein Plädoyer dafür offen für Anderes zu sein

Heutzutage wird der schmale Grat zwischen dem, was man „Normalität“ nennt und Geisteskrankheiten immer ungenauer. Häufiger denn je wird Alles, was anders erscheint, als krank definiert. Psychische Störungen werden anhand von Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation und des amerikanischen DSM-5 diagnostiziert. Am Beispiel der Krankheit Schizophrenie lässt sich zeigen wie Krankheit und Normalität enggeführt werden.

Die psychische Störung Schizophrenie

Betroffene der Krankheit Schizophrenie leben ein gänzlich anderes Leben als andere Menschen. Einige leiden an Verfolgungswahn, hören Stimmen und fühlen sich mit ihrer Umgebung nicht mehr im Einklang. Ein Loch klafft zwischen ihnen und der Realität. Verschwörungstheorien kommen auf, die nahe Verwandte oder auch Freunde als Teufel charakterisieren. Die Realität verschiebt sich gänzlich und man verliert den Zugang zum eigenen Ich.

Weil die psychische Störung Schizophrenie nicht mit Hilfe von labortechnischen Tests diagnostiziert werden kann, sind Betroffene auf das Urteil eines Arztes angewiesen, der anhand festgelegter Kriterien bestimmt, ob Schizophrenie vorliegt. Der Diagnostiker wird dann zum Beweisführer, der ausreichend Belege für die Krankheit findet oder eben nicht. Dazu „genügt“ es bereits, dass der Betroffene sich unverständlich artikuliert, merkwürdig anmutend bewegt, sich von non-existenten Phänomenen so stark beeinflussen lässt, dass er nicht mehr regelmäßig isst, sich wäscht und den Kontakt zu anderen Menschen einschränkt. Dann besteht bereits ein begründeter Verdacht auf Schizophrenie.

Das Bivalenzprinzip der Psychologie

Mit Hilfe ausgiebiger Interviews wird dieser Verdacht dann entweder erhärtet oder verworfen. Der Gedanke, der dieser Idee zugrunde liegt, ist, dass alles, was krank ist, nicht normal sein kann und andersherum. Es erfolgt demnach ein Ausschlussprinzip. Es gibt zwei Pole, zwischen denen nichts akzeptiert wird. Entweder ist man krank oder normal. Dieses Prinzip zielt gemeinhin auf das Funktionieren in einer Gesellschaft ab.

Dies wird als Kriterium für Normalität gewertet. Man unterhält sich ausreichend mit anderen Menschen, man isst regelmäßig, hält sich an Hygienevorschriften und erscheint täglich pünktlich im Büro und schon gilt man als normal. Doch was geht im Innenleben eines Menschen vor, der nur nach außen hin funktioniert? Wissenschaftler schlagen ob dieser Ungenauigkeit in der Diagnostik von schizophrenen Erkrankungen vor, dass in Zukunft lediglich exogene und endogene Psychosen als psychische Krankheiten geltend gemacht werden sollen. Darunter fallen dann alle organischen psychotischen Störungen.

Philsophische Herangehensweise

Versucht man die Problematik einer Diagnostik von psychischen Störungen einmal aus der Sicht eines Philosophen zu denken, dann sieht man sich mit dem Problem konfrontiert, dass Psychologen davon ausgehen, dass sie das Innenleben eines anderen Menschen verstehen können. Dass sie im Fall des an Schizophrenie Erkrankten verstehen können, was er empfindet, wenn er im rechten Ohr die Stimme seiner verstorbenen Mutter und im linken Ohr die des Pfarrers aus der Dorfkirche hört. Aber kann man das Innenleben eines Anderen wirklich verstehen, klassifizieren und auch noch kategorisieren? Das würde vorraussetzen, dass wir es wirklich verstehen und das erscheint unmöglich.

Ein sorgfältiger Umgang mit dem Terminus Normalität ist angeraten, wenn wir andere Menschen versuchen zu verstehen, denn der schmale Grat zwischen dem was einst als normal galt und es heute nicht mehr ist, ist schmaler denn je. Natürlich ist eine Diagnostik und die anschließende Therapie ein absolutes Muß für Jemanden, der unter einer Krankheit leidet, aber wir scheinen heutzutage schneller denn je festzulegen, dass jemand krank ist, der anders ist. Vielleicht ist er einfach ein Original und nicht vergleichbar. Wäre das nicht auch eine Erklärungsmöglichkeit?

 

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