Frühförderung - Überforderung & unnötige Angebote

Frühförderung – Überforderung & unnötige Angebote

Frühförderung ist heute ein allgegenwärtiger Begriff. Die Kinder werden in Klavierunterricht, Babyschwimmen und manch andere Kurse geschickt. Immer dabei sind die Eltern. Sie möchten mit der Frühförderung erreichen, dass ihr Kind ganz oben mitmischt und später die besten Chancen hat. Doch wenn nur der Beste zählt, welche Chancen haben dann die Dritten? Und zugleich: Frühförderung ist nicht immer sinnvoll – das erkennen zunehmend auch die Pädagogen.

Kinder lernen durch freies Spiel viel mehr

Der Tag eines Kindes ist häufig vollständig ausgebucht. Viele Kurse – die unter den Begriff Frühförderung zusammengefasst werden – warten auf den Nachwuchs. Die Zeit mit den Eltern ist häufig sehr knapp bemessen, denn die Kurse beanspruchen ein hohes Zeitvolumen. Daher werden die Kinder von einem Angebot zum nächsten gebracht. Dies beginnt meistens bereits im Kindergartenalter und auch die Kindergärten selbst bauen zunehmend Frühförderung in ihr Angebot ein. Ein Fehler, denn die Angebote und das Vorgehen entsprechen nicht der Entwicklung eines Kindes.

Kinder lernen durch das Spiel. Allerdings nicht nur durch das gängige Spiel in den Kursen. Vielmehr sollten sie frei und losgelöst spielen. Sie imitieren Rollen, sie stellen Alltagssituationen nach und sie müssen sich organisieren und Regeln festlegen. Dieses Spiel wird häufig als freies Spiel bezeichnet. In der Erziehung wird diese Form zurecht aber auch als „Qualitatives Spiel“ bezeichnet. In dieser Situation können sie Fähigkeiten erwerben, die sie später im Alltag brauchen. Sie lernen dabei und begreifen die Welt.

Das freie Spiel ist auch in einer anderen Weise eine gute Frühförderung. Hier wird eine Bindung zu einer Bezugsperson aufgebaut. Dies ist wichtig, da genau diese Bindung das Kind stärkt, ihm Schutz bietet und zugleich auch Lernerfahrungen ermöglicht. Werden diese Bindungen durch die Frühförderung eingeschränkt, dann ist dies eher nachteilig zu werten, denn seine Entwicklung wird beeinträchtigt. Ein Problem, das gerne unbeachtet bleibt. Selbst die OECD moniert regelmäßig, dass die Frühförderung in Deutschland nicht ausreichend ist – auch wenn die Kinder durch zu viel Förderung überfordert sind und aufgrund dessen überhaupt nicht mehr gefördert werden.

Von unsinniger Förderung in sensiblen Phasen

Doch nicht nur diese Problematik entsteht häufig bezüglich der Förderung. Die Eltern beschäftigen sich mit den sensiblen Phasen der Kinder. Dies sind Phasen, in denen ein Kind besonders empfänglich für neue Inhalte ist und diese daher besonders gut lernt. Die gängige Meinung ist, dass das Kind diese Dinge lebenslang beherrschen wird, da das entsprechende Areal im Gehirn dadurch angelegt wird. Deshalb verfügen immer mehr Kinderbetreuungen inzwischen über weitere Angebote wie zweisprachige Betreuung, naturwissenschaftliche Förderung und Ähnliches.

Das Kind lernt diese Dinge zwar, doch das Gehirn verbleibt nach der Kindheit nicht in seiner Form. Spätestens in der Pubertät werden die Verknüpfungen wieder gelöst. Was nicht gebraucht wird, wird wieder verlernt – Eine Folge des Umbaus im Gehirn. In der Praxis bedeutet dies, dass die Kinder während der Frühförderung zwar die Grundlagen erlernen. Spätestens wenn sie eingeschult werden oder in die Pubertät kommen, ist das gesamte Wissen allerdings verloren und die Frühförderung war umsonst. Was bleibt ist die Erziehung zum Ehrgeiz und zum Rudelführer – schlechte Voraussetzungen für die Zukunft und für die Gesellschaft.

Das freie Spiel ist die beste Frühförderung

Die beste Frühförderung ist KEINE Frühförderung, betonen Pädagogen zunehmend, wenn sie nicht gerade Geld mit der Frühförderung verdienen. Das freie Spiel ist wesentlich wichtiger als Chinesisch, Mathematik oder Anatomie. Dies ist entwicklungspsychologisch bereits seit langer Zeit bekannt. Kinder holen sich das Wissen, das sie brauchen. Grundstein ist dann immer eine Beziehung zu einem Erwachsenen – und das müssen unbedingt nicht die Eltern sein.

Es können ebenso Onkel, Tante oder Großmutter sein. Die Kinder fragen, wenn sie etwas wissen möchten. Die Erwachsenen können Ungewissheiten erklären.Und auch das Spiel selbst ist ein Ideal, geht es um die Entwicklung. Der Nachwuchs begreift die Welt im Spiel. Das Kind erlernt die sozialen Verhaltensweisen auf natürliche Art und es lernt, die Zeichen der Menschen richtig zu deuten. Oder einfach ausgedrückt: Das Kind lernt, in der sozialen Gemeinschaft zu überleben. Die beste Frühförderung ist daher keine Frühförderung – und das erkennt inzwischen auch die Wissenschaft.

 

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