Darmbakterien Schuld an psychischen Störungen?

Inwiefern Darmbakterien am Auslösen von psychischen Störungen und Angstverhalten beteiligt sein könnten, fanden Forscher in Versuchen mit keimfreien Mäusen heraus. Diese zeigten nach einer Behandlung mit den entsprechenden Bakterien die gleichen Symptome auf.

Neue Erkenntnisse über Darmbakterien

Die weltweit häufigste Darmerkrankung ist das Reizdarmsyndrom und zeichnet sich durch ständige Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung aus. Dabei bleibt es jedoch nicht nur bei einzig diesen Symptomen. Begleiterscheinungen dieser Erkrankung sind häufig auch Depressionen oder Angststörungen. Rund 50 bis 90 Prozent der Patienten leiden darunter noch zusätzlich. Welche Ursache dem Reizdarmsyndrom zugrunde liegt, konnte noch nicht geklärt werden. Möglicherweise spielen Stress, antibiotische Therapien, Ernährungsumstellungen, Infektionen, aber auch eine veränderte Darmflora eine Rolle. Auf letztere weisen Versuche an Mäusen hin.

Wie kanadische Forscher im Fachblatt „Science Translation Medicine“ berichten, entwickelten keimfreie Mäuse nach einer Transplantation der verursachenden Darmbakterien in deren Darmtrakt, die Symptome eines Reizdarms und zeigten zusätzlich ängstliches Verhalten. Dementsprechend seien die Faktoren, die einen Reizdarm auslösen, nicht allein auch die Ursache für eine gestörte Darmflora. Ferner gaben die Experimente Hinweise auf eine Darm-Hirn-Achse, über die Darmkeime Hirnfunktionen beeinträchtigen und neurologische und psychische Störungen verursachen könnten. Allerdings sei es so auch realisierbar neue Therapien abzuleiten.

Krankheitssymptome auf Mäuse übertragen

Eine Arbeitsgruppe um Premysl Bercik von der McMaster University in Hamilton versuchte herauszufinden, ob das Artenspektrum und die Aktivität der Darmbakterien eines Reizdarms die Ursache für verschiedene Krankheitssymptome darstellen. Dafür wurden acht Patienten ausgesucht, die mindestens zwei Jahre lang an Durchfall litten und vier Patienten, die Anzeichen auf eine Angststörung aufwiesen. Als Kontrollpersonen dienten gesunde Menschen ohne psychische Erkrankungen. Der Kot von beiden Gruppen wurde verdünnt und den Mäusen ohne Darmflora in den Darm, durch eine Transplantation, übertragen.

Bereits nach drei Wochen entwickelten die Mäuse, denen der Kot der Patienten verabreicht worden war, ebenfalls Reizdarmsymptome. Die Nahrung ging schneller durch den Darm, die Barrierefunktion der Darmwand war beeinträchtigt und Entzündungsreaktionen verstärken sich. Kam der Kot von Patienten mit zusätzlichen Angststörungen, zeigten die Mäuse ebenfalls ein solch ausgeprägtes Verhalten. Aufgrund dieser Ergebnisse, sehen Forscher eine eventuelle Möglichkeit, zukünftig solche Darmstörungen mit probiotischen Bakterien oder präbiotischen Nahrungsergänzungsmitteln zu behandeln – das psychische Leiden der Reizdarmpatienten mit einbezogen.

Verbindung von Darm und Hirn

Wie genau im Einzelnen die Darmbakterien die diversen Krankheitssymptome verursachen und welche Mechanismen vorliegen, konnte bisher noch nicht geklärt werden. Verschiedene Hinweise lassen vermuten, dass aufgrund einer gestörten Darmflora bestimmte Stoffwechselprodukte freigesetzt werden. Diese könnten Immunzellen aktivieren oder ins Blut und damit ins Gehirn gelangen, wo sie Hirnzellen in ihrer Funktionalität beeinträchtigen könnten.

Ob eine veränderte Darmflora jedoch hauptsächlich die Ursache für Reizdarm ist, kann noch nicht mit Sicherheit gesagt werden, so die Autoren. Schließlich könnte chronischer Stress ebenfalls als Ursache für eine geschädigte Darmflora gelten. Durch ihn möge sich ein gestörtes Verhältnis zwischen den einzelnen Bakterien im Darm entwickeln, die im zweiten Schritt dann diese Symptome einer Reizdarmerkrankung verursachen. Mittlerweile wird in der medizinischen Forschung immer häufiger mit Kotübertragungen gearbeitet. Es wird sich dadurch erhofft Therapien für chronisch entzündliche Darmerkrankungen, sowie anderen Krankheitsbilder entwickeln zu können. Ein wichtiger Aspekt, aufgrund der neuen Ergebnisse sei dabei für die Forscher, dass sichergestellt werde, dass die Spender nicht unter psychischen Störungen leiden.

 

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