Lernen schadet kurzfristig den Gehirnzellen

In einer neuen an Labormäusen durchgeführten Studie am Gladstone Institute in San Francisco machten Neurowissenschaftler eine überraschende Entdeckung, die nicht nur Elsa Suberbielle erstaunte. Das Team um die Wissenschaftlerin stellte fest, dass Lernprozesse im Gehirn die Erbsubstanz der Nervenzellen kurzweilig schädigen. In der oben erwähnten Studie untersuchten die amerikanischen Forscher zwei Gruppen von Mäusen und deren Gehirne.

Die erste Gruppe setzen die Mitarbeiter für eine Dauer von zwei Stunden in einen den Tieren unbekannten Käfig und konfrontierten sie mit ihnen ebenfalls unbekannten Geräuschen, Gerüchen und Gegenständen. Die zweite Gruppe – welche als Kontrollgruppe diente – wurde für den selben Zeitraum den selben Reizen ausgesetzt, jedoch im heimischen Käfig.

Die Ergebnisse des Versuchs, welche im Nature Neuroscience Magazin veröffentlicht wurden, waren erstaunlich: Direkt nach dem Versuch wiesen die Gehirne der Mäuse aus Gruppe 1 dreimal so viele Doppelstrangbrüche in der DNA der Nervenzellen auf, wie bei Tieren aus der Kontrollgruppe.

Diese Erbgutschäden regenerierten sich bei gesunden Mäusen jedoch innerhalb der nächsten 24 Stunden nahezu vollständig. Allein bei einem Folgeversuch mit alzheimerkranken Mäusen konnten auch nach 24 Stunden noch drei- bis viermal so viele DNA-Schäden festgestellt werden, wie bei gesunden Mäusen.

Deutung der Ergebnisse

Die Ergebnisse der Studie lassen zwei bzw. drei bahnbrechende Schlussfolgerungen zu. Die erste logische Ableitung ist, dass nicht nur mechanische Reize, Gifte und Drogen die Erbsubstanz im Gehirn in Form von Doppelstrangbrüchen in der DNA schädigen, sondern dies auch bei jedem Lernprozess auf völlig natürliche Weise geschieht. Daraus folgt die zweite Erkenntnis: Diese Brüche in der DNA, welche bis zum jetzigen Zeitpunkt immer als gefährlich und potentiell gesundheitsgefährdend eingestuft wurden, sind keineswegs so dramatisch wie gedacht.

Da die Erbgutschäden innerhalb der nächsten 24 Stunden fast vollständig vom Körper selbst repariert werden konnten, handelt es sich hier wohl um einen völlig normalen Prozess. Der dritte Schluss, den die Forscher ziehen konnten, betrifft den Zusammenhang der Ergebnisse mit der Erkrankung Alzheimer. Aufgrund dessen, dass die erkrankten Mäuse auch nach 24 Stunden noch erhebliche Schäden in den Nervenzellen aufwiesen, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit gesagt werden, dass dieser Reparatur-Schritt im Lernprozess des Gehirns bei dementen Menschen in irgendeiner Form beeinträchtigt ist. Das wiederum eröffnet neue Horizonte für medikamentöse Ansätze.

 

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