Wann bildet sich die Persönlichkeit eines Menschen?

Im Alltag wird der Begriff der Persönlichkeit recht häufig verwendet: Man spricht beispielsweise bewundernd von Menschen mit Persönlichkeit. Aber was ist das eigentlich genau und wie und wann bildet sie sich heraus? Zu diesem Thema gibt es verschiedene Persönlichkeitstheorien. Hier begegnen uns u. a. Sigmund Freud, Carl Rogers, William Stern, Erik H. Eriksen und Paul Bates. Aber die zentrale Frage, die sich stellt ist doch die folgende:

Was ist denn eigentlich Persönlichkeit?

Der Persönlichkeitspsychologe Laurence A. Pervin bezeichnet Persönlichkeit als „komplexe Organisation von Kognitionen, Emotionen und Verhalten, die dem Leben der Person Richtung und Zusammenhalt gibt“. Persönlichkeit ist also kein klar umrissener Begriff, hat aber großen Einfluss auf unser Leben. Zudem ist sie etwas zutiefst individuelles. Joy Paul Guilford konstatierte 1964, dass die Persönlichkeit eines Individuums seine einzigartige Struktur von Wesenszügen sei.

Die „Big Five“

Zur Persönlichkeit gehören alle Wesenszüge, die eine gewisse Stabilität haben. “Etwas, das sich von Tag zu Tag relativ leicht verändern kann, wie etwa schlechte Laune am Morgen, hat per Definition nichts mehr mit Persönlichkeit zu tun” meint der Entwicklungspsychologe Prof. Jaap Denissen von der niederländischen Universität Tilburg.

Es gibt fast unendlich viele Charaktereigenschaften, die auch schon in eigenen Wörterbüchern Eingang fanden. Fünf dieser Persönlichkeitsmerkmale ließen sich aber extrahieren. Mit diesen kann man jeden Menschen umschreiben. Diese “Großen Fünf” heißen: Extraversion, emotionale Stabilität, Offenheit, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit. Jedes dieser Persönlichkeitsmerkmale ist bei jedem einzelnen Menschen unterschiedlich stark entwickelt.

Studien zur Persönlichkeitsentwicklung

Die Universität Otago in Neuseeland kam in einer Studie aus dem Jahr 2000 zum Ergebnis, dass der Mensch schon mit drei Jahren charakterlich festgelegt ist. Dabei wurden Kinder aus der Stadt Dunedin vom dritten bis zum 21. Lebensjahr begleitet. Spannend an dem Ergebnis war, dass die Lebenskurve jedes Kindes dabei einer Art innerem Programm folgt. 2013 stellten Wissenschaftler der Universitäten Berlin, Dresden, Münster und Saarbrücken sowie Forscher der Max-Planck-Institute in Tests mit gleichzeitig geborenen Mäusen interessante Entwicklungen fest: Trotz exakt gleicher Voraussetzungen und Bedingungen entwickelte sich jede Maus anders.

Es wurden, je nach Neugierde und dem Interesse an den Dingen um sie herum, mehr oder weniger Gehirnzellen gebildet. Das Gehirn wuchs an seinen Aufgaben. Mit jeder neuen Erfahrung prägte die Maus ihre ganz individuellen Charakter-Eigenschaften und Verhaltensweisen aus. Nicht nur ererbte, sondern auch erworbene und erfahrene Sachverhalte prägten die intelligenten Nagetiere.

Allerdings kommt der Mut zum Erkunden aus dem sicheren Vertrauen, dem Urvertrauen, also der symbiotischen Mutter-Kind-Bindung am Anfang des Lebens und später dem sicheren Vertrauen in eine oder wenige zentrale Bezugspersonen. Dieses Urvertrauen ermöglicht die Zuversicht in die eigenen Fähigkeiten. Fehlt es, ziehen sich die Kinder ängstlich zurück und klammern. „Sie verweigern das Lernen im Umgang mit der Welt und verpassen ihre frühe Chance zur Bildung einer freien, willensstarken Persönlichkeit“, fasst die Biologin Julia Freund einen Teil der Studienergebnisse zusammen.

Wie das Nagerexperiment zeigt, konstituiert sich das Konstrukt „Persönlichkeit“ bei Mäusen ebenso wie bei Menschen sowohl aus erworbenen als auch aus ererbten Denk- und Verhaltensweisen, die sich in Resonanz mit Umwelt und Umständen entwickeln.

Welche Anteile jeweils die Oberhand gewinnen und was dabei die ausschlaggebenden Faktoren sind, lässt sich allerdings schon bei Mäusen, erst recht aber bei Menschen nicht systematisch erfassen – sonst wäre wohl die Psychologie eine exakte, aber wenig aufregende Wissenschaft.

 

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