Psychotherapie – Infomationen, Grundlagen und Methoden

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Patienteninformationen zur Psychotherapie

Alltagsprobleme im Privatleben oder Beruf treten im Lauf des Lebens nahezu bei jedem auf, egal ob Mann, Frau, Kind, Jugendlicher oder Erwachsener. Sind diese Probleme schwer oder nicht zu bewältigen, kann sich daraus ein psychisches Leiden entwickeln.

Viele Betroffene scheuen das sehr private Gespräch mit einem Therapeuten. Auch die Frage, wie eine Behandlung abläuft und ob ein Erfolg zu erzielen ist, hält viele Menschen ab.

Wir möchten Dir Mut machen, ohne Vorbehalte über Deine seelischen Nöte zu sprechen und Dir durch professionelle Unterstützung helfen. Leiden der Seele sind meist ebenso erfolgreich zu behandeln wie körperliche Leiden. Eine Therapie hilft Dir dabei neue Ansichten, Dein Problem betreffend, kennenzulernen und Verhaltensweisen zu üben, die Dir in Zukunft helfen, Dein tägliches Leben wieder alleine in die Hand zu nehmen.

Wann sollte ich mich behandeln lassen?

Das erste Zeichen einer Notwendigkeit ist wie bei einer einfachen Erkältung die Dauer der Symptome. Dauert ein seelisches Tief über mehrere Wochen an und wird durch übliche Gespräche in der Familie oder mit Vertrauten nicht gelöst, so spricht man über eine psychische Krise, die durch eine Psychotherapeutin / Psychotherapeuten in Augenschein genommen werden sollte. Ein Psychotherapeut grenzt in einem einfachen Gespräch, durch seine Erfahrung untermauert, genau ab, ob es ein seelisches Tief ist, aus dem Du alleine herausfinden kannst, oder ob Du Dich einer dauerhaften, psychischen Erkrankung näherst, die ohne professionelle Hilfe kaum lösbar ist. Erste Anzeichen dafür sind andauernde Angstgefühle, starke Niedergeschlagenheit aber auch körperliche Probleme, die keine Ursachen zu haben scheinen.

Diese Liste kann erste Hinweise für die Symptome einer seelischen Erkrankung geben:

  • Meine Gefühle haben sich verändert, ich erkenne mich kaum selbst wieder
  • Der Zustand ist andauernd, ich bin beunruhigt, dass es nicht wieder besser wird
  • Ich kann mir nicht erklären, was die Ursache für diese Veränderung ist
  • Mein Tagesablauf wird täglich schwerer zu bewältigen, ich bin erschöpft und ständig überfordert
  • Meine Arbeit fällt mir nicht mehr so leicht wie normal und ich bin oft krank
  • Ich werde von anderen vermehrt angesprochen, was mit mir los sei
  • Ich habe oft Wutgefühle und bin sehr leicht reizbar
  • Andere verstehen meine Probleme nicht und viele wollen nicht mehr mit mir reden
  • Jeden Tag mache ich mir mehr Sorgen und fühle mich hilflos
  • Ich habe oft Herzklopfen und bekomme Angst
  • Ich bin so niedergeschlagen, dass ich oft schlafen muss
  • Ich bin so nervös, dass ich kaum noch schlafen kann
  • Ich habe körperliche Beschwerden und keiner findet die medizinische Ursache
  • Ich habe Gedanken mich umzubringen, um die Situation zu lösen
  • Ich fühle mich lustlos und habe kein Interesse an Freizeitaktivitäten oder Freunden
  • Ich kann ohne ständigen Alkoholkonsum, Geldspiele, Drogen, Essen oder Sexualität nicht leben
  • Mein Leben wird durch Rituale und Zwänge, wie häufiges Händewaschen, Türen abschliessen oder ähnliches beeinträchtigt
  • Ich hasse meine Beziehung, weil sie mir die Luft zum Atmen nimmt, kann sie aber nicht beenden
  • Ich habe Ängste die meine Freiheit einschränken, wie Fahrstühle, Menschenmassen, bestimmte Räume, Tiere, Autoritätspersonen
  • Mein Leben hat sich durch Arbeitslosigkeit, Trennung, Krankheit, einem Unfall so verändert, dass ich seit langem und permanent darunter leide
  • Seit ich einen bestimmten Menschen verloren habe, kann ich nicht so weiterleben wie früher und es wird nicht besser

Diese Liste ersetzt keine Diagnose. Bitte wende Dich an Deinen Hausarzt oder Therapeuten, um zuverlässige Aussagen zu erhalten.

Was sind anerkannte psychische Krankheiten?

Die anerkannten Krankheiten findet man in der sogenannten ICD-10 Liste. Sie ist international gültig und teilt alle körperlichen und psychischen Krankheiten ein. Erarbeitet wurde die ICD-10 von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) und ist für Deutschland verbindlich. Psychische Erkrankungen werden nach den Symptomen unterteilt, unter der ein Patient leidet, denn oft liegen mehrere Störungen gleichzeitig vor. Die vollständige Liste findest Du hier.

Was genau ist Psychotherapie?

Leidet ein Mensch unter psychischen / körperlichen Störungen oder Störungen zwischenmenschlicher Beziehungen, deren Ursprung seelische Leiden sind, so spricht man von einer psychischen Erkrankung, die durch Psychotherapie geheilt werden kann.

Psychotherapie ist ein wissenschaftlich überprüftes Verfahren, das keine Medikamente zur Heilung einsetzt und dazu dient, durch geplante und strukturierte Gespräche und praktische Übungen, sowie einer Beziehung zwischen einem Therapeuten und seinem Patienten psychische Krankheiten festzustellen, zu lindern und zu heilen. Ein Psychotherapeut hat eine staatlich geregelte Ausbildung abgeschlossen und kann psychische Krankheiten mit wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren behandeln. Psychotherapeut dürfen sich nur psychologische Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, sowie ärztliche Psychotherapeuten nennen.

Angehörige psychisch Kranker

Welche Krankheiten werden mit Psychotherapie behandelt?

Die Psychotherapie hat ein breites Behandlungsspektrum, da verschiedene Methoden bei verschiedenen Menschentypen auch hervorragende Alternativen bieten. Auch altersspezifische Anforderungen bieten durch die zahlreichen Methoden perfekte Ansatzpunkte zur Therapie. Psychotherapie kommt z.B. zum Einsatz bei:

  • Angststörungen
  • Depressionen
  • Sexuellen Störungen
  • Psychosen
  • Zwangsstörungen
  • Affektive Störungen
  • Somatoforme Störungen
  • Schlafstörungen
  • Sexuelle Funktionsstörungen
  • Problemen mit der sexuellen Orientierung
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Borderline Persönlichkeitsstörung
  • Schizophrenie
  • Posttraumatische Belastungsstörungen
  • Psychosomatischen Krankheitsbildern
  • Essstörungen
  • Seelischen Behinderungen
  • Behinderungsbedingten psychischen Störungen
  • Suchterkrankungen
  • Internet- Onlinesucht
  • Online-Spielsucht
  • ADS, ADHS, Hyperaktivität
  • Krankheitsbedingten psychischen Störungen
  • Seelischen Traumata
  • Burnout Syndrom
  • Mobbing an Arbeitsplatz und Schule
  • Chronisch Kranken und begleitenden psychischen Störungen
  • Sterbebegleitung & begleitenden psychischen Störungen
  • Kriseninterventionen psychischen Störungen
  • Strafvollzug Prävention & Rehabilitation
  • Negative Selbstwahrnehmung
  • Belastungen in Familie & Ehe
  • Entscheidungsschwierigkeiten
  • Angst vor dem Sterben
  • Existentielle Krisen
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Was erwartet mich bei einer Psychotherapie?

Zur Behandlung einer seelischen Krankheit wird durch den Psychotherapeuten zunächst mit dem Patienten besprochen, welche psychischen Beschwerden bestehen. Diese werden im einzelnen analysiert und anhand vergangener schmerzlicher Erlebnisse wieder ins Bewusstsein des Patienten gerufen, um eine erneute Verarbeitung auszulösen.

Der Therapeut klärt konfliktbelastete Beziehungen und erarbeitet gemeinsam mit dem Patienten neue Verhaltensweisen, um in belastenden Situationen zukünftig bessere Reaktionsmuster einzuüben.

Die Arbeit mit dem Patienten findet also durch Reflexionstechniken und praktischen Übungen statt und gleichzeitig baut sich eine therapeutische Beziehung zwischen den Teilnehmern auf.

Das erste Gespräch mit einem Psychotherapeuten dient dem Kennenlernen und der Diagnose einer eventuellen psychischen Erkrankung. Deine Beschwerden werden symptomatisch abgefragt und in Bezug zu Deinem Alltag gestellt. Dies sind typische erste Fragen: Wie machen sich Auffälligkeiten bemerkbar? Wie lange bestehen diese Störungen schon? Was hast Du versucht, um dagegen etwas zu unternehmen oder damit umzugehen?

Um ein gemeinsames Ziel zu definieren fragt der Therapeut auch nach Deinen Erwartungen nach der Behandlung und warum Du Dich zu einer Therapie entschieden hast. Gelegentlich werden dazu auch Fragebögen und psychologische Testverfahren eingesetzt. Wichtig bei den ersten Gesprächen ist nicht primär die Behandlung, sondern vor allem das nötige Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Therapeut, das die Grundlage für die Therapie bildet. Du musst diese Vertrauensbasis genau ergründen, um festzustellen, ob Du Deinem Therapeuten vertrauen kannst und ob Du ihm intime, beängstigende, schmerzliche oder sogar peinliche Dinge anvertrauen kannst und willst. Nimm Dir dazu ausreichend Zeit und gestehe auch dem Therapeuten ausreichend Zeit zu. In der klassischen Psychotherapie rechnet man für diese, sogenannten probatorischen Sitzungen fünf bis acht Termine, bevor eine Therapie beginnt.

Ist Psychotherapie nachweislich wirksam?

Die Wirksamkeit der Psychotherapie als Heilung seelischer Erkrankungen wurde durch viele internationale, wissenschaftliche Studien nachweislich belegt und gilt als anerkannte Methode. Die Wirkungsweise liegt in der bereits kurzfristigen Minderung von Beschwerden, die eine Entlastung für den Patienten bedeuten und damit die Lebensqualität sofort merklich verbessern. Die langfristigen Erfolge von Psychotherapie sind ebenso wissenschaftlich belegt, so hilft Psychotherapie langfristig bei Depressionen, Suchterkrankungen, Panikstörungen, Essstörungen, ADS und ADHS und posttraumatischen Belastungsstörungen. Gemessen wird der Erfolg der Therapie mit der sogenannten Effektstärke. In Studien wird hier gemessen, in wie weit sich ein Patient mit Therapie besser fühlt, als ein Patient der Kontrollgruppe, der ohne Behandlung bleibt. In der Regel bewertet man diese Effekte nach der Vorgabe des Psychologen Jacob Cohen so, dass Werte über 0,2 als gering wirksam, 0,8-1,0 hoch wirksam sind. Die durchschnittliche Wirksamkeit der Psychotherapie bei Überblicksstudien liegt dabei deutlich über 0,8.

Welche Fragen sollte der Patient stellen?

Grundsätzlich fragst Du am besten das, was Dir auf der Seele liegt, Denn Dein Vertrauensverhältnis zu Deinem Therapeuten ist die wichtigste Grundlage für den Erfolg der Therapie, und somit für Deinen Erfolg. Bereite Deine Fragen eventuell schon vor einer Sitzung vor und schreibe sie auf. Eine kleine Hilfestellung für Fragen geben wir Dir an dieser Stelle gerne:

  • Ist der Therapeut ausreichend für meine Erkrankung ausgebildet
  • Wie werden sich die Kosten am Ende der Therapie darstellen
  • Was passiert wenn Termine nicht wahrgenommen werden können
  • Wie werden sich die einzelnen Behandlungsphasen grob gestalten
  • Wie lange wird die Behandlung ungefähr dauern
  • Welche Erfahrungen hat der Therapeut mit Patienten ähnlicher bzw. gleichen psychischen Störung
  • Kann ich vollständig geheilt werden oder verbleiben Symptome
  • Gibt es alternative Behandlungen für meine Erkrankung
  • Wie verhält es sich mit der Schweigepflicht des Therapeuten
  • Wie ist die Diagnose (nach ICD-Liste) in leicht verständlichen Worten zu erklären
  • Wie sieht der Behandlungsplan aus
  • Was kann unterstützend getan werden

Gute Psychotherapie benötigt Zeit!

Es dauert oft lange, bis sich eine psychische Störung ausgebildet hat. Die Lösung dieser Störung kann aber meist nicht in kurzer Zeit herbeigeführt werden. Gebe Dir selbst Zeit und habe Geduld, um Deine Probleme Stück für Stück in den Griff zu bekommen. Zu Anfang wird versucht die dringlichsten Konflikte schell zu lösen, aber die Lösung der Ursache Deiner Probleme gibt erst nachhaltige Sicherheit für Deine Zukunft. Im zweiten Schritt wird an diesen Problemen gearbeitet und versucht alte Probleme aufzuarbeiten und diese selbst genauer zu verstehen, sowie für die Zukunft mit alternativen Lösungswegen zu belegen. Typische Verhaltensmuster, die über Jahre antrainiert wurden müssen hier in neue Bahnen gelenkt und modifiziert werden. Der Therapeut muss hier individuell auf seinen Patienten eingehen und auch er benötigt hier Zeit um den richtigen Weg zu ergründen.

Das Ende einer erfolgreichen Therapie

Das Ende einer Therapie wird wie am Anfang bestimmt, wenn die gemeinsam besprochenen Ziele der Behandlung definiert werden. Im Verlauf der Therapie solltest Du gemerkt haben, dass es Dir Stück für Stück besser geht, Du an Kraft gewinnst, Du mehr Distanz zu Deinem ursprünglichen Problem und eine gute Vertrauensbasis zu Deinem Therapeuten entwickelt hast. Der Abschluss der Therapie bedeutet nun aber auch eine Trennung von einem Menschen, den Du über längere Zeit als zuverlässigen Vertrauten in Dein Leben integriert hast. Ein Abschied, der nicht leicht fällt, aber Dich nun in eine Zukunft entlässt, die Dich befähigt, Dein Leben wieder selbständig zu meistern. Der beste Psychotherapeut ist der, der sich am Ende einer Therapie selbst überflüssig macht! Am Ende der Therapie richtet sich Dein Blick in die Zukunft. An dieser Stelle kannst Du mit Deinem Therapeuten einen kurzen Plan entwerfen und Dir die Fragen überlegen, die Du aus Deiner Perspektive stellen willst.

Diese Fragen könnten zum Beispiel sein:

  • Wie stelle ich mir meine Zukunft im Anschluss an die Therapie vor, wenn ich „alleine“ meine Probleme meistern muss?
  • Was kann ich tun, um das erarbeitete zu verfestigen und weiter in meine Denkmuster zu integrieren?
  • Was soll ich tun, wenn meine Probleme wieder so überhand nehmen, dass ich alleine nicht weiterkomme?
  • Welche Übungen kann ich selbst machen, um mich im Sinne der Therapie weiter zu entwickeln?

Wer behandelt psychische Krankheiten?

Die Diagnose und Behandlung psychischer Krankheiten wird bei niedergelassener Psychotherapeuten, in speziellen Ambulanzen und Krankenhäusern für psychische Erkrankungen, sowie bei psychosozialen Beratungsstellen durchgeführt. Neuerdings wird – wie auch hier – die Online Therapie per Telefon, Chat und E-Mail angeboten.

Online Therapie wirkt dem akuten Psychologenmangel entgegen und vermeidet die inzwischen leider langen Wartezeiten auf eine Therapie. Vorteile der Online Therapie liegen in kurzen, oder keinen Wartezeiten, terminlich freier Gestaltung der Therapie, Sicherheit und Ortsungebundenheit für Therapeut und Patient.

Interessierst Du Dich für unsere „Vision der Onlinetherapie“ , kannst Du hier weitere Informationen erhalten. Zur Wirksamkeit der Online Therapie sind inzwischen zahlreiche Studien erschienen, die wir Dir hier zusammengefasst haben.

Psychologen Mangel in Deutschland

Welche Therapeuten gibt es?

In der Therapie unterscheidet man Psychologen nach verschiedenen Begriffen, die Hinweis auf ihre Ausbildung und Qualifikationen geben. Auch alternative Heilmethoden für psychische Krankheiten werden in jüngster Zeit vermehrt in Anspruch genommen. Hier kommen Heilpraktiker mit einer speziellen Ausrichtung auf Psychotherapie zum Tragen und bieten eine Alternative zur klassischen Psychotherapie. Im Einzelnen unterscheidet man folgende Berufsgruppen und Qualifikationen:

Diplom Psychologen

Diplom Psychologen haben ein abgeschlossenes Studium der Psychologie an einer Universität, aber bis dorthin keine zusätzliche Ausbildung in Psychotherapie. Die Arbeitsbereiche eines typischen Diplom Psychologen sind meist die Forschung auf psychologischem Gebiet oder die Arbeit bei psychologischen Beratungsstellen und im Personalwesen.

Psychologische Psychotherapeuten

Psychologische Psychotherapeuten haben ein Psychologiestudium abgeschlossen und setzen ihre Ausbildung dann fort, indem sie innerhalb einer staatlich geregelten psychotherapeutischen Ausbildung die Approbation als Psychotherapeut erhalten. Psychologische Psychotherapeuten therapieren erwachsene Menschen, aber auch Kinder, bzw. Jugendliche.

Ärztliche Psychotherapeuten / Psychiater

Ein ärztlicher Psychotherapeut hat zunächst ein Studium der Medizin an einer Universität absolviert und sich danach zum Facharzt zur Behandlung psychischer Erkrankungen weitergebildet. Ärztliche Psychotherapeuten sind neben der Psychotherapie auch berechtigt Medikamente zu verordnen. Typisch sind Fachärzte für Psychotherapie, Psychiatrie und psychosomatische Medizin.

Heilpraktiker für Psychotherapie

Um die Berufsbezeichnung „Heilpraktiker für Psychotherapie“ zu führen muss eine Erlaubnis bestehen, die im Heilpraktikergesetz definiert ist. Ein Heilpraktiker für Psychotherapie muss mindestens 25 Jahre alt sein und mindestens eine Volksschulausbildung nachweisen. Es muss ein Nachweis erbracht werden, dass der Heilpraktiker gesundheitlich zu Ausübung des Berufes befähigt ist, er sittlich zuverlässig ist und dass die Ausübung der Heilkunde durch ihn keine Gefahr für die Volksgesundheit bedeutet. Heilpraktiker für Psychotherapie diagnostizieren und therapieren seelische, aber auch körperliche Leiden, meist mit Hilfe naturheilkundlicher oder alternativmedizinischer Verfahren. Die Ausbildung zum Heilpraktiker erfolgt meist durch private Schulen und hat, je nach Gebiet, eine Ausbildungsdauer von bis zu 3 Jahren.

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten

Zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen, die ein Alter von 20 Jahren noch nicht überschritten haben, sind nur Kinderpsychotherapeuten, bzw. Jugendlichenpsychotherapeuten berechtigt. Diese Qualifikation wird erworben, indem entweder ein Pädagogik-, Psychologie- oder Sozialpädagogikstudium absolviert wurde, dass im Anschluss durch eine staatlich geregelte psychotherapeutische Ausbildung ergänzt wird und mit der Approbation endet.

Psychologische Berater

Der Psychologische Berater ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Psychologische Berater dürfen nicht therapieren, nur beraten, wobei bei der Beratung bei Erkrankungen ihre Grenze findet. Obwohl keine Ausbildung vorgeschrieben ist, sollte ein ausreichendes psychologisches Wissen vorhanden sein. Für die Beratung gibt es zugleich keine festgeschriebene Klassifikation mit internationaler Gültigkeit. Während bei der Therapie der Therapeut der Experte ist, ist in der Beratung der Klient der Fachmann. Die Beratung ist im Gegensatz zur Therapie immer auf die Zukunft gerichtet, so dass der Klient sich auf ein Ziel zubewegt. Stärken und Schwächen werden dabei voll berücksichtigt, sodass sich der Ratsuchende entfalten kann und eine persönliche Entwicklung stattfindet. Insgesamt stellt der Psychologische Berater keine Funktionen her, sondern ermöglicht dem Klienten die persönliche Erfüllung.

Pädagogen und Sozialpädagogen mit Weiterbildung

Pädagogen oder Sozialpädagogen haben ein Studium der Bildungswissenschaften an einer Hochschule absolviert und können durch qualifizierte Weiterbildung (meist 3-5 Jahre) zum Kinder- & Jugendpsychologe in den Bereichen Psychoanalytik oder Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie arbeiten. Durch eine oft mit einer Lehrtätigkeit verbundene Berufserfahrung kennen diese Berater den Alltag von Kindern & Jugendlichen und bringen dadurch zusätzlich zu ihrer psychologischen Ausbildung eine geeignete und lebensnahe Praxiserfahrung mit.

Welche Behandlungsverfahren gibt es?

Bei der Behandlung einer seelischen Störung innerhalb der Psychotherapie, wird zwischen verschiedenen psychotherapeutischen Verfahren bzw. Methoden unterschieden. Die Wahl des Verfahrens ist jedoch untergeordnet, viel wichtiger ist ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis zum Therapeuten, als Grundlage einer erfolgreichen Therapie.

Gesprächspsychotherapie / personenzentrierte Psychotherapie

Diese Methode wurde bereits in den vierziger Jahren von Carl Rogers entwickelt und hat einen Ansatz, der den Patienten als Individuum in den Mittelpunkt der Therapie stellt. Die Grundlage dazu bildet die Überzeugung, dass jeder Mensch ein Potential und den Willen besitzt, sich selbst zu verwirklichen. Diese Selbstverwirklichung wird durch äußere Einflüsse und die damit verbundenen Erfahrungen beeinflusst, teilweise so negativ, dass psychische Störungen auftreten, die es in dieser Therapieform zu beheben gilt. Ziel der Therapie ist es nicht ein spezifisches Problem direkt zu lösen, sondern dem Menschen zu helfen, sich in einem positiven Sinne weiterzuentwickeln, da er ein Potential besitzt sich selbst zu ergründen und zu verändern. Der beste Weg dieses Verständnis herbeizuführen ist in der direkten Reflektion innerhalb einer Therapeut- / Patientenbeziehung. Der Therapeut bringt dem Patienten bei, sein Selbstvertrauen zu schätzen und baut dieses, bei gleichzeitiger Etablierung einer inneren Bewertungsdistanz auf, die es ermöglicht in Zukunft offener für Veränderungen zu werden, die den Alltag des Patienten bestimmen. Die Therapie bietet dem Therapeuten Raum für eigene, integrierbare Elemente, wie Spiele oder unterstützende Übungen. Dies ist auch in Gruppen durchführbar.

Verhaltenstherapie

Das aus den fünfziger Jahren stammende Verfahren hat zur Grundlage, dass bereits erlerntes Verhalten eines Menschen auch in anderer Weise neu erlernt werden kann, um so vermeintlich falsche Verhaltensweisen in neue, der Problemstellung dienliche Verhaltensweisen, umzulernen. Auch die Psychologie hat sich im Laufe der Zeit stark weiterentwickelt und die klassische Verhaltenstherapie hat heute einen Status erreicht, der die ursprüngliche Definition durchaus erweitert. Es wird nicht „falsch“ und „richtig“ als Standard für alle Menschen definiert, sondern weitaus individueller therapiert. Körperliche Symptome, die Gefühlswelt des Individuums sowie seine Einstellungen werden ebenso verstärkt in die Behandlung integriert, wie die Eigenverantwortung des Patienten und die Potentiale, die der zu behandelnde bereits in sich trägt und die gestärkt werden können. Der moderne Therapeut folgt in seiner Behandlung einem zielorientierten Ansatz, der die Lösung mittels Lernverfahren auf Erfahrungsbasis bereithält. Die Behandlung erfolgt auf kooperativer, von Vertrauen geprägter Beziehung zwischen Therapeut und Patient. Das Problem des Patienten wird auf Bedingungen eingegrenzt, welche analysiert und aufgearbeitet werden. Weiterhin bedient sich der Therapeut wenn nötig der Konfrontation von symptomauslösenden Situationen oder Gegenständen. Dabei werden schädliche Verhaltensweisen ignoriert, positives Verhalten wird belohnt um gute Eigenschaften zu verstärken und schädliche abzuschwächen. Die Verhaltenstherapie kann in Einzelsitzungen, Gruppentherapien und als Paartherapie durchgeführt werden.

Psychoanalyse

Begründer der Psychoanalyse ist Sigmund Freud. In der Psychoanalyse beschäftigt sich Freud mit dem „Erleben“ eines Menschen und teilt dieses in Untergruppen ein: Unbewusstes Erleben, vorbewusstes Erleben und bewusstes Erleben. Die Reaktionen eines Menschen werden in erlernte Mechanismen eingeordnet, wie Abwehr, Verdrängung, Projektion oder Verleugnung, deren Ursache Freud als meist in der Kindheit konditionierte Verhaltensweisen bestimmt. Psychoanalyse ist das typische „Couch Gespräch“, das dazu dient jegliche Übertragung von Therapeut auf Patient auszuschließen. Aus dem gleichen Grund redet der Therapeut weitestgehend nicht und begibt sich aus dem Blickfeld des Patienten. Der therapeutische Ansatz der Psychoanalyse ist es, unbewusstes auf die Bewusstseinsebene zu bringen, um dadurch Störungen der Psyche zu beheben. Die Psychoanalyse bedient sich dazu häufig der sogenannten „freien Assoziation“: Der Patient sagt alles, was ihm gerade in den Sinn kommt und die scheinbar zufällige Äußerungen eines Patienten werden beobachtet und analysiert. Die Beobachtung durch den Therapeuten findet unvoreingenommen und ohne Wertung statt, um den verschlüsselten Sinn der Äußerungen in der Gesamtheit zu ergründen.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Bei der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie handelt es sich um eine abgeleitete Form der Psychoanalyse. Zugrunde liegt ebenfalls die Bedeutung seelischer Phänomene und die Mechanismen nach Definition der Psychoanalyse. Aus diesen Grundlagen werden menschenspezifische Bilder abgeleitet und erweiterte Behandlungsmöglichkeiten. Der zentrale Punkt ist das unbewusste Erleben, auf das der Patient keine Steuerungsmöglichkeit hat. Die Therapie stützt sich auf das Erkennen von alten und eventuell verdrängten Erlebnissen, die sich als Muster für Beziehungen und Konfliktlösungen etabliert haben. Diese Muster sollen erkannt, verstanden und bewusst gemacht werden, um auf dieser Basis neue Sichtweisen und Methoden zur Konfliktbewältigung zu etablieren. Die Beziehung zum Therapeuten ist besonders wichtig, denn die Therapie selbst konzentriert sich auf das aktuelle Geschehen zwischen Patient und Therapeut um unbewusste Inhalte sichtbar zu machen. Der direkte Lerneffekt soll Verhaltensmuster positiv verändern und hier besteht, neben der meist im Sitzen durchgeführten Therapie, auch der Unterschied zur klassischen Psychoanalyse, die tiefgreifend eine Veränderung der gesamten Persönlichkeit anstrebt. Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist im Gegensatz zur Psychoanalyse auch in einem zeitlich kürzeren Rahmen erfolgreich durchzuführen.

Systemische Therapie

Die Grundlage der systemischen Therapie bildet die Annahme, dass Störungen der Psyche nicht zentral an einer Person festgemacht werden können, sondern durch die Wechselwirkung mit anderen Menschen, Personengruppen oder Umgebungen, wie z.B. Vorgesetzten, Familie oder schulischem Umfeld herrühren. In der systemischen Therapie ist deshalb nicht einzig die Person von Interesse, die die psychischen Störungen als Patient mit sich trägt, sondern auch das Umfeld, bzw. die Personen die dazu beitragen, dass sich diese Störung manifestiert hat. Das Umfeld des Patienten hat innerhalb dieser Therapieform nicht nur destruktives, sondern ebenso konstruktives Potential um Veränderungen oder Neuorientierung auszulösen. In der Therapie muss das Umfeld dennoch nicht anwesend sein. Der Therapeut kann innerhalb der Sitzungen sowohl als Experte auftreten, als auch als gleichwertiger Partner für den Patienten. Praktisch wird mit speziellen Fragetechniken und Interventionstechniken der Handlungsspielraum des Patienten innerhalb ambivalenter Systeme erweitert, um eine positive Interaktion des Individuums in Gruppen zu etablieren und somit Problemsituationen besser zu meistern. Die systemische Therapie eignet sich hervorragend für die Arbeit mit Gruppen, wie Paaren oder Organisationen. Die Arbeit mit einer Einzelperson ist dennoch genauso erfolgreich möglich und sinnvoll.

Gestalttherapie

Innerhalb der Gestalttherapie wird der Mensch in seiner Gesamtheit betrachtet. Es kommen sowohl philosophische Betrachtungsweisen zum Einsatz, als auch theoretische Aspekte, z.B. der Psychoanalyse. Die klassische Gestalttherapie nimmt die unmittelbare Gegenwart als Bezugspunkt und stellt die Förderung der unmittelbaren Begegnung des Individuums mit seinem Umfeld und sich selbst an der konkreten Situation in den Mittelpunkt der Therapie. Das Erleben von Gefühlen und das Handeln wird aktiviert und von verbalen Äußerungen abgegrenzt. Der Therapeut nimmt dabei entweder eine passive oder aktive, intervenierende oder sogar konfrontierende Rolle ein, die dazu dient das bewusste Erleben des Patienten zu fördern. In den Gesprächen bringt sich der Therapeut als Beziehungsperson ein. Gestalttherapie wird erlebnisorientiert ausgeführt, das bedeutet, dass die Arbeit mit Medien zum Einsatz kommt, wie z.B. Malen oder auch Rollenspiele, sowie auch körperliche Übungen. Innerhalb von Gruppentherapien fungieren die Teilnehmer oft wechselseitig als Darsteller und Beobachter, die die Situation auch aktiv beeinflussen. Gestalttherapie wird wie erwähnt in der Gruppe, aber auch als Einzeltherapie angewandt.

Psychodrama

Die Therapieform „Psychodrama“ wurde von Jakob Moreno entwickelt. Die Grundlage oder auch Grundhypothese dieser speziellen Therapieform ist, dass jeder Mensch ein schaffendes Potential in sich trägt, das ihn innerhalb sozialer und psychischer Rollen dazu befähigt, sich mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen und die Probleme die entstehen können, dabei selbst zu bewältigen vermag. Der einzelne Mensch trägt damit Verantwortung für sich selbst, die Handlungen durch seine Interaktion mit Gruppen und somit auch letztlich der ganzen Gesellschaft. Nach dieser vorausgesetzten Logik ist eine psychische Krankheit in der Form definiert, dass die Dynamik und diese Interaktionen beim Betroffenen gestört sind und in eine Starre oder auch eine Fixierung geraten. Der Mensch selbst zeigt in seinem Umgang einseitige oder eingeschränkte Verhaltensmuster, die der Therapeut als den Mittelpunkt der Therapie bestimmt, um eine erfolgreiche und nachhaltige Behandlung und Heilung in die Wege zu leiten.

Der vorangehende Text stellt eine unabhängige Patienteninformation dar, die von uns erarbeitet wurde, um unseren Besuchern und Mitgliedern hochwertige Informationen bereitzustellen und medizinisches Fachwissen verständlich zu veranschaulichen. Es wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. Zu weiterführenden Informationen raten wir zur Konsultation eines behandelnden Arztes, bzw. des Hausarztes, denn die hier veröffentlichten Inhalte sind keine ärztliche Beratung und ersetzen auch keine Diagnose oder Therapie.