Frühkindliche Anorexie

Anorexie ist eine ernst zu nehmende Krankheit, die dieser Tage längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Anorexie bezeichnet in seiner medizinischen Bedeutung zunächst Appetitlosigkeit. Im umgangssprachlichen Jargon wird Magersucht, anorexie nervosa, meist mit Anorexie synonym verwendet, was medizinisch nicht korrekt ist. Magersucht ist eine durch nervliche Leiden ausgelöste Appetitlosigkeit, während Anorexie meistens keine nervlichen oder organischen Ursachen hat.

Anorexie bedeutet für die Betroffenen und auch für Angehörige eine allumfassende Beeinträchtigung des täglichen Lebens. Ein aktueller Bericht aus dem ZEIT-Online Magazin betroffener Eltern bringt die schwierige Krankheit ihrer Tochter prägnant auf den Punkt. Anorektiker und die ihr nahestehenden Personen führen kein normales Leben mehr.

Ein anorektisches Baby

Der Bericht handelt von einem 15 Monate alten Baby, das sich beharrlich weigert zu essen. Es scheint den Sinn der Nahrungsaufnahme nicht erfassen zu können und zu wollen. Wie erklärt man einem Baby diesen Sinn, wenn ihm das natürlichste Gefühl zu fehlen scheint: Hunger. Kinder sind in dieser frühkindlichen Phase mehr denn je auf Nahrung angewiesen. Ansonsten verlangsamt sich ihr Wachstum, ihre Gehirnleistung kann sich nicht erweitern. Das Baby bleibt schlichtweg ewig auf dem Status eines unterentwickelten Säuglings stehen und die Eltern gucken hilfslos dabei zu. Im medizinischen Jargon wird die Verweigerung von Essen vor dem sechsten Lebensjahr als Futterstörung bezeichnet. Diese Essensverweigerung lässt sich in den seltensten Fällen auf organische Schäden zurück führen. Die Kinder wollen anscheinend einfach nicht essen. Dabei wirken sie nicht unglücklich oder leblos.

Der Begriff Futterstörung bezeichnet ebenso prägnant die Schuldgefühle, die Eltern sich bei einer derartigen Erkrankung machen. Denn sie tragen in den ersten Jahren des Kindeslebens die Verantwortung dafür, dass das Kind ernährt wird. Die Bezeichnung Futterstörung legt nahe, dass nicht allein das Kind bzw. sein Verhalten gestört ist. Die Anpassung an das Leiden der Kinder ist für viele Eltern ein Kraftakt, der aber Erfolge mit sich bringen kann.

Therapiemöglichkeiten

Das großte Problem bei Futterstörungen ist, dass die betroffenen Kinder nicht wissen, dass sie ihr Leben riskieren, indem sie das Essen verweigern. Wie soll man das dem Kind aber bewusst machen? Eine Alternative zur natürlichen Ernährung findet sich mit der Sondenernährung. Doch auch bei dieser Form künstlicher Ernährung kann man das Kind nicht dazu zwingen die Schläuche im Körper behalten zu wollen. Die Eltern aus diesem Bericht wählen einen sechswöchigen Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik, mit ihrer Tochter. Dort beobachten sie wie viele Familien von dieser Essstörung betroffen sind. Trost spendet diese Tatsache allerdings nicht, da deutlich wird, wie viele Krankheiten mit Essstörungen einhergehen: Autismus, Angststörungen und viele mehr kommen in Kombination mit Futterstörungen vor. In psychatrischen Kliniken setzen die Therapeuten auf Gruppentherapien, in denen die Eltern lernen, dass sie zum einen nicht alleine mit ihren Problemen sind und zum anderen über neue Füttermöglichkeiten informiert werden. Manchmal mögen die Kinder nämlich zum Beispiel ungesunde Lebensmittel lieber. Dann muss man sich über den Essenserfolg freuen, der sich bei Futterstörungen nur noch in Kalorien bemisst und nicht daran, wie gesund das Essen ist, das aufgenommen wird.

Das Fütterverhalten überdenken

Auch das Fütterverhalten der Angehörigen wird in der Klinik durch Videoaufzeichnungen genausten untersucht. Die Geduld und der Umgang mit dem Kind sind immens wichtig für den Essenserfolg. Wut und Enttäuschung dürfen niemals nach aussen sichtbar werden. Auch wenn eine normale Mahlzeit aus sechs Gängen besteht, die alle viel Arbeit und Zeit kosten, steht das Kind im Mittelpunkt und darf die Anstrengung nicht spüren. Es weiß es ja nicht besser. Für die Eltern ist ein Leben mit einem anorektischen Kind ein ständiger Kellnerjob. Bei dem man nie weiß, was den Gästen schmecken könnte, da die Vorlieben sich stündlich ändern können. Aber das Gefühl, wenn das Kind endlich etwas an Essen bei sich behält, ist überragend, berichten betroffene Eltern.

 

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