Dysmorphophobie

Wer kennt das nicht? Die Angst verspottet zu werden, weil man zu dick, zu dünn, zu unförmig ist… die Beine sind zu kurz, dafür die Arme zu lang, der Kopf zu rund, die Ohren abstehend.. Wenn man in den Spiegel schaut, findet man sich viel zu blass, die Tränensäcke und die Nase sind zu groß und das Kinn hat sich schon vor Ewigkeiten vervielfacht.

Für manche Menschen allerdings wird die Angst entstellt und unglaublich hässlich zu sein zum Lebensinhalt. Oft wird das als Eitelkeit oder „fishing for compliments“ abgetan und nicht ernst genommen. Tatsächlich kann es sich um eine Erkrankung handeln, die man als Dysmorphophobie bezeichnet. Umgangssprachlich nennt man sie auch Schönheitshypochondrie oder auch Hässlichkeitswahn.

Was genau versteht man unter Dysmorphophobie?

Aufgrund einer Persönlichkeitsstörung wird der eigene Körper anders wahrgenommen, als er tatsächlich ist. Diese Fehlwahrnehmung wird auch als Körperschemastörung bezeichnet. Der Turiner Enrico Morselli hat den Ausdruck Dsysmorphophobie 1886 erstmals verwendet. Er definierte sie als wahnhafte Überzeugung, von einem körperlichen Defekt betroffen zu sein, der Scham gegenüber Mitmenschen und daraus resultierend sexueller Hemmung.

Nicht nur Frauen sind betroffen, sondern auch Männer. Ein bis zwei Prozent der Bevölkerung leiden unter dieser Krankheit, wobei die Dunkelziffer weit höher liegen könnte. Nur ein Bruchteil der Betroffenen nimmt professionelle Hilfe in Anspruch. Sehr viele werden Kunden bei Schönheitschirurgen oder isolieren sich. Als prominentes Beispiel wird in Zusammenhang mit dieser Erkrankung häufig Michael Jackson genannt. Etwa ein Viertel der Dysmorphophobiker unternimmt früher oder später einen Suizidversuch.

Wie erkennt man eine Dismorphophobie?

Betroffene nehmen ihr Leiden nicht als Erkrankung wahr, obwohl sie sehr viel Zeit mit der „Verschönerung“ oder dem Verdecken des eingebildeten Mangels verbringen. Jedes Lachen oder Tuscheln wird auf sich selbst und die eigene Entstellung und die eigene Hässlichkeit bezogen. Bei einer eventuell vorhandenen leichten körperlichen Anomalie ist die Besorgnis stark übertrieben. So entsteht ein Teufelskreis aus immer höherem Leidensdruck. Laut DSM-IV (amerikanisches Handbuch für Diagnose und Statistik bei seelischen Störungen) ist Dysmorphophobie eine eigenständige, nicht wahnhafte somatoforme Störung.

Woher kommt diese Störung?

Meist tritt die Dysmorphophobie erstmals in der Pubertät auf. Es gibt verschiedene Theorien über die Ursachen: zum einen können es negative Erfahrungen aus der Kindheit und der frühen Jugend sein, die einen Einfluss haben. Andererseits haben Forscher herausgefunden, dass Menschen, die an dieser körperdysmorphen Erkrankung leiden, meist auch überdurchschnittlich vielen Zwängen ausgesetzt sind und einen hoch- bzw. überentwickelten Sinn für Ästhetik besitzen. Zum anderen gibt es Hinweise, dass die Dysmorphophobiker zu wenig Serotonin produzieren. Der Botenstoff gilt als Glücks- und Wohlfühlhormon.

Wie kann die Dysmorphophobie behandelt werden?

Besteht ein tatsächlicher Mangel, so sollte geprüft werden, ob dieser behoben werden kann. In der Regel ist das Problem der Dysmorphophobiker jedoch nicht ihr tatsächliches Äußeres, sondern ihre eigene, verzerrte Wahrnehmung davon. Außenstehende können das Unschöne in der Regel nicht sehen. Medikamentös haben sich in verschiedenen Studien Antidepressiva und hierbei vor allem die so genannten Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer als wirksam erwiesen.

Psychotherapeutisch wird zur kognitiven Verhaltenstherapie geraten. Einstellungen, Gedanken, Bewertungen und Überzeugungen sollen dem oder der Erkrankten bewusst gemacht, überprüft und korrigiert werden. Der Stellenwert des eigenen Aussehens als Lebensmittelpunkt soll normalisiert werden. Inzwischen gibt es auch einzelne Selbsthilfegruppen. Auch die Konfrontationstherapie, bei der sich der Patient zur Korrektur der Selbstwahrnehmung mit seinen vermeintlichen Defiziten direkt auseinandersetzt, ist recht erfolgreich. Natürlich ist es unter Umständen sinnvoll, die verschiedenen Therapiemöglichkeiten zu kombinieren.

 

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