Kompromisse in der Partnerschaft finden

Jeder Mensch ist ein Individuum

Er besitzt seine eigenen Lebenserfahrungen und auch die Werte und Normen sind nicht bei jedem Menschen gleich ausgeprägt. Daher treten in einer Partnerschaft immer wieder Meinungsverschiedenheiten auf. Die meistpropagierte Lösung: Kompromisse. Doch nicht alle Ungleichheiten verlangen nach einem Kompromiss. Und selbst bei der Suche nach einer Einigung, müssen viele Dinge beachtet werden.

Muss wirklich ein Kompromiss gefunden werden?

Die meisten Meinungsverschiedenheiten beziehen sich im Alltag der Paare nicht auf wirklich wichtige Belange. Meistens treten die kleinen Streitereien durch Alltäglichkeiten auf, deren Bedeutung überschätzt wird. Die nicht zugedrehte Zahnpastatube oder die Krümel auf dem Frühstückstisch sind Beispiele für Reibereien, die häufig als belastend empfunden werden, obwohl der Auslöser eigentlich nicht einmal eine Bemerkung wert ist. Daher ist immer zu prüfen, ob die Begebenheit wirklich wichtig genug ist, um darüber zu diskutieren. Gerade diese Kleinigkeiten können die Partnerschaft stark belasten, wenn mehrmals täglich über diese Unwichtigkeiten diskutiert wird. Sind die Anlässe zu gering, dann sollte auf eine Diskussion und auf die Suche nach einem Kompromiss verzichtet werden.

Der richtige Mittelweg

Wichtige Belange und Grundsätzliches müssen allerdings immer geregelt werden. Nur wenn eine Lösung gefunden wird, kann die Partnerschaft funktionieren. Die Lösungssuche darf dabei nicht einseitig sein. Versucht einer der Partner seinen Willen durchzusetzen, dann kann dies negative Folgen haben. Gerade wenn sich der Weggefährte bei solchen Diskussionen immer wieder durchsetzt, kann die Beziehung ernsthaft gefährdet werden. Der Partner kann sich in der Partnerschaft zunehmend unwohler fühlen und zieht sich langsam zurück.

Auch wenn der Gegenüber zustimmt, so muss dies nicht bedeuten, dass ein Kompromiss gefunden wurde. Häufig wird durch ein Einverständnis versucht, die Diskussion zu beenden. Wirklich wohl fühlt sich der Zustimmende aber nicht. Für ihn ist dieser Kompromiss eher eine Notlösung, um endlich ein anderes Thema einzuschlagen.

Auch in solchen Situationen steht die Frage nach der Wichtigkeit an erster Stelle. Wie wichtig ist das Thema eigentlich? Muss das Anliegen wirklich durchgesetzt werden? Wenn das Problem wichtig genug ist, dann sollte auf die eigene Ansicht gepocht werden. Dabei muss allerdings Sachlichkeit im Vordergrund stehen. Kann dem Partner nicht deutlich gemacht werden, warum er auf die gewünschte Weise reagieren soll, dann wird früher oder später Widerstand aufkommen. Auch die Meinungen und Ansichten des Gegenübers müssen verstanden werden und sollten nicht hinter dem eigenen Anliegen zurückstehen. Häufig kann dadurch ein Kompromiss entstehen, der vorher nicht gesehen wurde.

Der eigene Wille sollte nicht zu oft durchgesetzt werden: Ständige Reibereien führen schnell zu Machtkämpfen innerhalb der Beziehung und können daher letztlich auch die Trennung als Resultat haben.

Ein Kompromiss ist nicht immer ein echter Kompromiss

Wird ein Kompromiss gefunden, dann sollten sich beide Betroffenen damit wohlfühlen. Ist der Mittelweg zu einseitig, dann stößt der Andere schnell an seine Grenzen und überschreitet sie. Dabei fühlt er sich nicht wohl. Der Partner wird den Kompromiss dann über eine bestimmte Zeit einhalten. Früher oder später wird das „schlechte Gefühl“ aber an die Oberfläche kommen. Dann sind große Streitereien durchaus möglich, die zu einer schweren und langanhaltenden Belastung werden können. Der Lebensgefährte ist in einer solchen Situation meistens nicht mehr für Kompromisse empfänglich und schaltet unter Umständen auf Angriff. Er hört nicht mehr zu und auch ernsthafte Bemühungen um eine Lösung können scheitern. Bei der Suche nach einem Mittelweg – der beiden Seiten gerecht wird – müssen daher auch immer die Grenzen des Anderen eingehalten und berücksichtigt werden.

Frühzeitige Ansprache vermeidet ernsthafte Probleme

Bei aller Kompromisssuche ist zu beachten, dass sich in der Vergangenheit viele Kleinigkeiten angehäuft haben können. Wird nur auf den Partner eingegangen, dann kann dies erhebliche Schäden anrichten. Werden die Kleinigkeiten dann zu ausgewachsenen Problemen, müssen sie rechtzeitig angesprochen werden. Dabei darf der Partner allerdings nicht angegriffen werden, da er sonst selbst angreift. In einer solchen Anordnung ist die Partnerschaft dann kurz vor dem endgültigen „Aus“. Vielmehr muss ein ruhiges und sachliches Gespräch stattfinden. Dabei muss offen ausgesprochen werden, dass die Meinung besteht, immer nachzugeben, während der Partner seine Interessen immer durchsetzt. Vielleicht sieht der Andere genau diesen Umstand in anderer Weise. Ein geordnetes Gespräch kann Klarheit bringen und der Standpunkt des Gefährten dadurch verstanden werden. Zugleich zeigt dieses Verhalten eine positive Wertschätzung und ist daher ein Teil einer liebevollen Beziehung.

Ach übrigens … Obwohl eine hohe Kompromissbereitschaft immer wieder den Frauen zugeschrieben wird, ist eher der Charakter und die Persönlichkeit für diese Eigenschaft maßgeblich. Dominante Personen versuchen immer, ihre Ansprüche und Interessen durchzusetzen – unabhängig vom Geschlecht. Dies muss nicht bewusst sein, sondern ist vielmehr Teil der Persönlichkeit und die Mechanismen greifen nahezu automatisch. Gerade wenn die Lebenspartner unterschiedliche Eigenschaften diesbezüglich zeigen, kann dies schnell zu einer Belastung für eine Person werden. Grundsätzlich ist die Kompromissbereitschaft daher nicht als weibliche Eigenschaft zu sehen. Vielmehr können Männer unter bestimmten Umständen wesentlich kompromissbereiter sein, als die Partnerin.

 

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