Neue Regeln beim Streit in der Partnerschaft

Neue Regeln beim Streit in der Partnerschaft

Die Regeln der Konfliktlösung sind altbekannt. Die eigene Wahrnehmung schildern und nicht als allgemeingültige Aussagen ausdrücken, möglichst sachlich argumentieren und immer sicherstellen, dass der Partner und seine Bedürfnisse berücksichtig wurden. Immer mehr Psychologen verlassen allerdings diesen Pfad und sagen: „Lebt den Streit und Schreit euch auch hin und wieder an!“

Schlechter Stil & sanften Methoden

Wie immer mehr Psychologen betonen, geht es auch darum, dem Partner zu zeigen, dass eine Kränkung erfolgt ist. Die bisher sanften Methoden sehen sie daher als nutzlos an, denn sie führen dazu, dass der Ärger nicht artikuliert wird. Streit gehört zum Alltag und sollte daher auch ausgelebt werden. Es geht daher um die Frage, wie sich die Menschen richtig streiten.
Wie die Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg feststellte, gibt es vier Stile dieser Art. Drei dieser Stile sollten vermieden werden, da sie der Beziehung schaden und nicht förderlich sind. Die erste Form besteht darin, kämpferisch aufzutreten und die eigene Meinung mit allen Mitteln durchzusetzen. Zugleich muss aber auch vermieden werden, sich nach kurzer Zeit zurückzuziehen und als dritte Variante, sehr schnell nachgiebig zu sein.

Bleibt die Frage, welcher Weg nun der Richtige ist. Wie die Wissenschaftler herausfanden, ist es die Suche nach einem Kompromiss, der dann zum Ziel führt und die Partnerschaft nicht belastet.

Ein guter Streit macht zufrieden

Die Ergebnisse selbst wurden dabei nicht unter Laborbedingungen erarbeitet. Vielmehr ging es darum, echte Fälle zu studieren und die erfolgreichen Gemeinsamkeiten zu explorieren. Dabei stellte sich heraus, dass gerade Paare, die kompromissbereit sind, eine wesentlich bessere Beziehung führen. Diese Paare streiten sich dann zwar, finden dennoch eine Lösung, die beiden Seiten gerecht wird. Der positive Effekt dabei ist, dass indirekt auch mitgeteilt wird, dass der Partner und seine Bedürfnisse durchaus wahrgenommen werden. Sie sind wesentlich zufriedener und ausgeglichener als Paare, die die anderen drei Stilen folgen. Die Zufriedenheit wurde dabei anhand eines Fragebogens ermittelt, der eindeutige Aussage liefert.

Und wie wird richtig gestritten?

Insgesamt bleibt die Frage, wie der richtige Stil erlernt werden kann. Grundsätzlich hat jeder Mensch seinen persönlichen Konfliktstil bereits in der Kindheit erlernt und trägt diesen dann lebenslang in sich. Der Stil besteht aus Mustern, die sich ständig wiederholen und damit den Streit prägen. Es gilt daher zunächst, die Muster zu erkennen und sie bewusst zu machen. Dies kann allerdings nicht einfach zuhause erfolgen. Vielmehr muss hierfür professionelle Hilfe gefunden werden. Dies kann ein Coach sein, aber auch ein Paartherapeut.

Und auch ein lauter Ton sollte unter Umständen durchaus vorhanden sein. Grundsätzlich gilt für die Kommunikation immer, dass Mimik und Gestik mit der Gefühlslage identisch sein sollten. Kommunikation ist nicht ausschließlich verbal. Der größte Teil der Kommunikation besteht aus non-verbalen Signalen. Diese können nicht einfach abgeschaltet werden, sondern werden in jeder Situation ausgesendet und dann vom Partner empfangen. Stimmen die empfangenen Signale nicht mit dem verbalen Anteil überein, wirkt die Kommunikation aufgesetzt und zugleich unehrlich. Zu den Signalen gehört auch die Lautstärke, die dann auch angepasst werden muss.

Wurde bisher auf sogenannte „Du-Botschaften“ verzichtet, dann sollen diese nun wieder zu einem Streit gehören. Du-Botschaften seien, wie die Psychologen betonen, wesentlich authentischer. Und ein Streit sollte immer möglichst authentisch sein. Mit einem kurzen Satz umschrieben bedeutet das: Laut werden ist erlaubt, schafft Entlastung und Klarheit. Durch die Streitereien wird es danach möglich, den Kopf für die Klärung des Konflikts frei zu haben. Dabei ist darauf zu achten, dass der Partner und seine Gefühle verstanden werden. Vorwürfe und Rechthaberei müssen nach dem Streit verbannt werden, sodass die Situation geklärt werden kann.

 

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