Das Rapunzel Syndrom

Bei Nervosität kommt es vor, dass junge Mädchen an ihren Haarspitzen kauen. Eine 18-Jährige aus Kirgisistan wäre aufgrund dieser Lust auf Haare fast ums Leben gekommen. Nur eine Not-OP, in der Ärzte einen riesigen Haarballen aus ihrem Magen entfernten, konnte ihr Leben retten. Diagnostiziert wurde das Rapunzel-Syndrom.

Neun Pfund großer Haarzopf aus Magen entfernt

Eine junge Frau quälten über fünf Monate hinweg starke Bauchschmerzen. Sie geht erst zum Arzt, als sie völlig unterernährt und dehydriert ist. Sie kann zu diesem Zeitpunkt weder Wasser noch Nahrung bei sich behalten. Trotzdem ist ihr Bauch dick geschwollen. Die Ärzte sind zunächst ratlos. Durch eine radiologische Untersuchung finden sie heraus, dass ihr Magen komplett mit etwas Undefinierbarem ausgefüllt ist. In einer Not-OP finden die Ärzte einen neun Pfund großen Haarballen in ihrem Magen. Dieser unglaubliche Mageninhalt hätte die 18-Jährige fast getötet.

Die Patientin sammelte über viele Jahre hinweg Haare vom Boden auf und aß diese zusammen mit allen Teppichflusen. Hinzu kam, dass sie an ihren eigenen Haaren knabberte und auch diese Harre verschluckte. Es war nicht möglich, dass die Haarsubstanz im Magen verdaut wird. Daher sammelten sich die Haare im Magen an, sodass ein immer größer werdender verfilzter Knoten entstand.

Was ist unter dem Rapunzel-Syndrom zu verstehen?

Eigentlich kennen wir das Schlucken von Haaren nur aus dem Tierreich. Katzen zum Beispiel fressen Haare, aber würgen die gefährlichen Haarballen regelmäßig wieder aus. Bei Menschen ist dies nicht möglich. Daher setzen sich die verschluckten Haare im Magen fest und es entstehen Knäuel. Diese reichen bis in den Dünndarm. Es gab schon einen Fall, in dem Ärzte ein 120 Zentimeter langes Haarknäuel, das bis in den Dünndarm reichte, entfernten. Die zopfartigen Knäuel werden auch als Trichobezoare bezeichnet. Die damit verbundene Trichophagie ist auch unter Rapunzel-Syndrom bekannt. Bereits 2007 entfernten amerikanische Ärzte einen zehn Pfund schweren Haarballen aus dem Magen eines ebenfalls 18 Jahre alten Mädchens. Auch eine fünfjährige Britin wurde aufgrund einer Magenverstimmung von Ärzten untersucht. Erst ein halbes Jahr später wurde ein vermeintlicher Tumor entdeckt. In einer sechsstündigen Operation stellte sich aber heraus, dass es sich um einen verstrickten Haarzopf, der sich bereits um innere Organe gewickelt hatte, handelte. Das Kind konnte gerade noch gerettet werden.

Nicht nur Haare werden verschluckt

Insgesamt sind weltweit weniger als 40 Fälle eines Trichobezoars mit Rapunzel-Syndrom bekannt. Diese Zwangsstörung tritt laut eines Abstracts der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie hauptsächlich bei jungen Mädchen auf. Neben eigenen Haaren werden in unbeobachteten Momenten auch Fasern von Wolldecken oder Kuscheltieren verschluckt. Dies führt typischerweise zu Übelkeit und Erbrechen. In manchen Fällen treten auch zunächst keine Symptome auf. Die Krankheit ist häufig mit Gewichtsverlust und scheinbarem Haarausfall verbunden. 50 Prozent der Patienten leiden neben dem Rapunzel-Syndrom auch an einer weiteren psychiatrischen Erkrankung oder Angststörung. Die Krankheit endet allerdings nicht immer so glücklich, wie bei dem Mädchen aus Kirgisistan.

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