Denkfehler "Bias" – verzerrte Wahrnehmung

Stell Dir vor, Du bist der Betreiber einer kleinen Wetterstation, die Du vor 20 Jahren auf einem Feld vor der Stadtgrenze errichtet hast. Die Stadt ist in den letzten 20 Jahren stark gewachsen und inzwischen steht Deine Wetterstation überhaupt nicht mehr einsam da, sondern ist umgeben von Häusern, die dort entstanden sind, um die wachsende Bevölkerung zu beherbergen. Du verzeichnest in den letzten 20 Jahren im Durchschnitt einen konstanten Temperaturanstieg um insgesamt drei Grad Celsius und schlussfolgerst, dass die Temperatur aufgrund des Treibhauseffekts steigt – und zwar viel stärker als im UN-Klimabericht vorhergesagt.

In Deiner Panik schlägst Du Alarm und Experten sehen sich Deine Daten an, geben jedoch Entwarnung. Wieso? Den Mess- beziehungsweise Denkfehler, den Du begangen hast, nennt man im Englischen „Bias“, zu Deutsch etwa „Verzerrung“. Dass Dein Thermometer in diesem Falle über die Jahre eine immer höhere Temperatur verzeichnet, liegt vermutlich vor allem daran, dass es vorher auf freier Fläche viel stärker den Naturgewalten ausgesetzt war, als dies jetzt der Fall ist. Außerdem strahlen die umstehenden Häuser durch die Beheizung und durch Reflektion Wärme ab, die Dein Thermometer ebenfalls misst.

Fehler im Denken

Das vorangegangene Beispiel soll veranschaulichen, wie systematische Fehler entstehen und zu einer verzerrten Wahrnehmung der Realität führen. Diese Fehler können auf messtechnischer Ebene begangen werden, genauso aber finden sie in unserem Denken statt. Wenn diese Fehler in unserem Denken stattfinden, nennt man sie cognitive bias oder kognitive Verzerrung. Eine der bekanntesten kognitiven Verzerrungen geschieht, wenn entweder wir oder jemand anders einen Fehler begeht. Ist jemand anders daran schuld, so suchen wir die Ursache häufig in der Person und ihrer Unfähigkeit. Passiert uns jedoch dasselbe Malheur, so gehen wir viel eher davon aus, dass ungünstige Umstände die wahre Ursache sind. Umgekehrt ist es mit Erfolgen, die wir vor allem unseren persönlichen Eigenschaften zuschreiben, wenn wir erfolgreich sind und eher den Umständen, wenn jemand anders Erfolg hat. Ein Beispiel dafür ist der Kommentar eines Fußballtrainers nach einem großartigen Erfolg, den er darauf zurückführt, dass die Mannschaft an diesem Tage großartig gespielt hat. Geht dieselbe Mannschaft als Verlierer vom Platz, so führt der Trainer dies eher darauf zurück, dass einige wichtige Spieler verletzt waren und der Schiedsrichter gleich in der fünften Minute auf Elfmeter hätte entscheiden müssen und das Spiel wäre dann ganz anders ausgegangen.

Weitere Arten von Bias

Wir neigen – und das ist nur allzu menschlich – außerdem dazu, Informationen so auszusuchen, dass sie unsere eigenen Erwartungen erfüllen. Dies nennt man Bestätigungsfehler. Und nicht nur besonders abergläubische Menschen meinen, dass sie durch eigenes Verhalten zufällige Ereignisse kontrollieren können. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Pusten auf die in den Händen gehaltenen Würfel, das Glück bringen soll. Damit unsere Erwartungen auch in der Rückschau noch ihre Richtigkeit behalten, sind wir sogar so gewieft, dass wir unsere eigenen Erinnerungen verfälschen, um letztendlich Recht zu behalten.

Negative Auswirkungen von verzerrter Wahrnehmung

Besonders negative Auswirkungen hat eine verzerrte Wahrnehmung, wenn es etwa um Fragen des Geschlechts oder der Herkunft geht. Sexismus und Rassismus sind letzten Endes auch das Resultat verzerrter Wahrnehmung. Wer davon ausgeht, dass Ausländer grundsätzlich faul sind und der einheimischen Bevölkerung die Arbeitsplätze wegnehmen, der leidet unter verzerrter Wahrnehmung. Gleiches gilt für diejenigen, die grundsätzlich davon ausgehen, dass Frauen nicht einparken können. Stereotype haben zwar ihre Bewandtnis, doch in den Extremen führen sie zu Diskriminierung und Ausgrenzung. In der Wissenschaft sind systematische Mess- und Denkfehler besonders folgenreich für die Interpretation von Studienergebnissen, weshalb heute in wissenschaftlichen Studiengängen solcherlei Denkfehler behandelt werden und die angehenden Wissenschaftler lernen, wie sie ihnen entgegenwirken.

 

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