Emotion oder Verstand - Was leitet uns in lebensbedrohlichen Situationen?

Wissenschaftler führten jetzt eine Untersuchung über die menschliche Reaktion bei Entscheidungen um Leben und Tod durch. Dafür wurden gesunde und hirngeschädigte Probanden ausgesucht. Das Szenario: Außer Kontrolle rast eine Straßenbahn auf eine Gruppe von Menschen zu. Auf dem Gleis nebenan befindet sich hingegen nur eine Person. Wie entscheiden sich die Teilnehmer, wenn die Möglichkeit bestünde, die Weiche noch umzustellen? Oder würden sie gar einen dicken Mann auf die Schienen stoßen, um den Zug aufzuhalten?

Alleine das Nachdenken über solche Situationen ist anstrengend und endet oft in einem moralischen Dilemma. Laut einer ethischen Kosten-Nutzen-Rechnung ist die Antwort jedoch sehr einfach: Einzugreifen ist auf jeden Fall besser, als nichts zu tun. Die beiden Alternativen des Szenarios sind aber für Befragte oft keine gleichwertige Abwägung: Wesentlich mehr Menschen würden die Weiche umstellen, als jemanden auf die Gleise zu stoßen.

Gefühlsentscheidung

Die Basis für solche Entscheidungen sind Gefühle. Zahlreiche Hirnscans konnten das bereits belegen. So kontrollierte beispielsweise das Team um US-Forscher Joshua Green die Gehirnaktivität ihrer Probanden, während diese mit ähnlichen Situationen konfrontiert wurden. Bei solchen persönlichen moralischen Dilemmata zeigte sich Aktivität in Bereichen, die Emotionen erzeugen. Zwei weitere Forscherteams konnten das zuständige Areal weiter eingrenzen, indem sie Menschen mit Hirnschäden untersuchten. Im Fokus stand dabei das mittlere untere Stirnhirn (VMPFC). Die Region über den Augen verarbeitet und steuert emotionale Reaktionen. Ihre Bedeutung ist enorm: Denn Menschen, deren VMPFC verletzt ist, zeigen häufig enorme Persönlichkeitsveränderungen. Infolgedessen sind sie weniger gefühlvoll, einfühlsam und zeigen weniger Mitleid, Scham oder Schuldgefühle. Auch soziale Normen werden eher missachtet. Auffällig sind ihre Wutausbrüche, risikoreichen Handlungen und kriminellen Aktionen. Bei komplexen Situationen zeigen sie eine beeinträchtigte Entscheidungsfähigkeit – besonders wenn aus dem Bauch heraus entschieden werden muss. Einfluss auf das logische Denken hat ein geschädigtes VMPFC hingegen nicht.

Straßenbahn-Problem einfach gelöst

Deshalb zeigen Menschen mit derartigen Hirnschäden auch bei dem Straßenbahn-Szenario oder ähnlichen Dilemmata andere Reaktionen als gesunde Menschen. Für sie ist klar, dass sie den dicken Passanten stoßen würden. Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass bei moralischen Entscheidungen Emotionen sehr wichtig sind. So einfach ist es aber nicht, denn VMPFC ist nicht alleine für emotionale Reaktionen zuständig. Bei Menschen, die für das Straßenbahn-Problem eine sehr logische Lösung hatten, konnte beobachtet werden, dass sie emotional werden, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen.

Untersucht wird das mit einem Spiel, in dem zwei Teilnehmer Geld untereinander aufteilen sollen. Falls der angebotene Betrag zu gering ist, verzichten viele Mitspieler komplett auf das Geld. Diese trotzige Reaktion kommt besonders oft bei einem verletztem VMPFC vor. Ihre emotionale Motivation kommt aus dem Gefühl der Frustration und Ungerechtigkeit. Ganz anders reagieren Menschen, bei denen ein anderer Bereich des Stirnhirns durch einen starken Magnetimpuls zeitweise abgeschaltet wurde. Ihnen ist die Unfairness des niedrigen Angebots bewusst, nehmen es dennoch an. Bei beiden Untersuchungsgruppen fand scheinbar der Konflikt zwischen Egoismus und Gerechtigkeitsempfinden im Gehirn nicht statt. Je nach aktiver Gehirnregion führt dies aber zu anderen Ergebnissen. Alle Studien konnten bisher zeigen, dass moralische Entscheidungen auf einem komplexen Prozess beruhen. Neben Intuition und Emotionen spielt auch rationales Denken eine Rolle. Bei vielen Entscheidungen werden nämlich Gefühle bewusst ausgeblendet.

 

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