Gier verhindert das Lernen aus Fehlern

In einer Studie von Wissenschaftlern der Universität Würzburg konnte herausgefunden werden, dass Menschen mit Gier als ausgeprägtem Persönlichkeitsmerkmal häufiger ein riskantes Verhalten an den Tag legen.

Anlass der Untersuchung gaben die extrem riskanten Spekulationen der Finanzdienstleistungsbranche, die einen enormen Beitrag zur US-amerikanischen Immobilienkrise leisteten, die sich später zur globalen Finanzkrise entwickelte. Neuro-Wissenschaftler aus Würzburg begannen 2010 an der Studie, in deren Mittelpunkt die Frage steht, inwieweit Gier als Persönlichkeitsmerkmal riskantes Verhalten vorhersagen kann und warum ein solcher Zusammenhang besteht.

Entwicklung eines Tests für das Persönlichkeitsmerkmal Gier

Um diesen Zusammenhang herzustellen, mussten die Forscher zunächst definieren, was mit Gier überhaupt gemeint ist. Ein Psychologenteam schaffte es, das Persönlichkeitsmerkmal Gier zu konkretisieren und in einem Test zu operationalisieren. Über einen Fragebogen, indem die Versuchspersonen Aussagen in verschiedenen Ausprägungen zustimmen oder nicht zustimmen können, konnte Gier also gemessen werden: Es wurde erfasst, wie stark der Proband von dem Wunsch nach mehr, egal was es kostet, geprägt wird. Dabei spielt unter anderem das extreme Streben nach materiellen Besitztümern eine große Rolle. Bei gierigen Menschen geht dieses Streben nach mehr häufig auf Kosten anderer.

Je gieriger, desto risikobereiter

Natürlich wurde auch die Risikobereitschaft anhand einer Aufgabe gemessen: 20 Studierende der Wirtschaftswissenschaften bearbeiteten dabei im Labor die „Balloon-Analogue-Risk-Task“. Hierbei pumpten die Versuchspersonen einen virtuellen Luftballon, den sie auf einem Bildschirm sehen, immer weiter auf – wer den am prallsten gefüllten Ballon hat, bekam eine reale finanzielle Entlohnung. Wenn der Ballon jedoch vorher platzt, ist alles verloren.

Im Anschluss daran füllten die Probanden den Test aus, der das Persönlichkeitsmerkmal Gier erfassen sollte. Bei der Auswertung der Ergebnisse zeigte sich, dass die Personen, die bei der Aufgabe zuvor den Ballon immer weiter aufpumpten höhere Werte beim Merkmal Gier hatten – im Gegensatz zu Personen, die den Ballon weniger prall füllten. Die Neigung zu Risiko kann also anhand des Persönlichkeitsmerkmal Gier vorhergesagt werden. Eine Besonderheit gab es, wenn sich eine Versuchsperson vorher mit der Biografie einer gierigen Person auseinandergesetzt hatte – es fand eine Art Aktivierung des Persönlichkeitsmerkmals Gier statt.

Gier erschwert das Lernen aus Fehlleistungen

Während der Risikoaufgabe beobachteten die Forscher die neuronalen Prozesse der Probanden über ein EEG. Dadurch konnten Rückschlüsse auf grundlegende kognitive Prozesse geschlossen werden, die mögliche Erklärungen für solche Verhaltensmuster liefern.

Während der Ballon-Aufgabe konnte über das EEG die „feedbackbezogene Negativierung“ verfolgt werden, die Auskunft darüber gibt, ob das Ereignis besser oder schlechter als erwartet war. Durch diese Komponente schließen Forscher auf einen neuronalen Prozess, der es Menschen ermöglicht, aus Fehlern zu lernen. Während des Experiments zeigte sich, dass Probanden mit einem ausgeprägten Persönlichkeitsmerkmal Gier, diese typische Reaktion auf den Feedbackstimulus nicht zeigten. Die Hirnaktivität blieb gleich – egal ob das Ereignis positiv oder negativ war. Daraus könnte geschlossen werden, dass gierige Menschen nicht so schnell aus Fehlern lernen – eine Erkenntnis, die von früheren Studien gestützt wird.

Eine mögliche Erklärung dieser Ergebnisse besagt, dass gierige Personen negative Reize oder Warnsignale in ihrer Umwelt ignorieren und daher ein riskanteres Verhalten zeigen. Diese Erkenntnisse können auch auf Mitarbeiter der Finanzdienstleistungsbranche übertragen werden, deren Gier durch hohe Boni aktiviert wird und dadurch beispielsweise Anteile zu lange halten, da sie die bestehenden Risiken nicht mehr wahrnehmen.

 

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