Arbeit als "Medizin" und die Jobchancen für psychisch Kranke

Die DGPPN, die deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, hat eine neue Leitlinie herausgebracht. Darin geht es um Menschen mit schweren und langwierigen psychischen Störungen und die Möglichkeiten, die mehr Integration ins Arbeitsleben für sie bieten.

Die Situation

Knapp 40% der Europäer sind laut aktuellen Studien mehr oder minder stark von psychischen Krankheiten betroffen: Depressionen, Schizophrenie und Angststörungen sind weit verbreitet. Die am schwersten Betroffenen haben aufgrund ihrer psychischen und sozialen Einschränkungen in der Regel extreme Schwierigkeiten, ein halbwegs normales Leben zu führen. Eine reguläre Arbeit wäre dabei oft sehr hilfreich, aber unter den gegebenen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen meist kaum zu bekommen. Trotz der seit den 1970er Jahren anhaltenden Bemühungen um ein offeneres gesellschaftliches Klima ist der Umgang mit psychisch Kranken nach wie vor von tief verwurzelten Vorurteilen und Ängsten gegenüber „den Irren“ geprägt. Mehr Integration wäre aber nicht nur sowohl für die Kranken als auch für die sogenannten „Normalen“ ein Gewinn, sondern ist inzwischen – genauer gesagt seit 2012 – unter dem Schlagwort „Inklusion“ sogar eine sozialpolitische Zielvorgabe der Vereinten Nationen.

Neue Erkenntnisse

Die DGPPN stellt in ihrer neuen Leitlinie fest: „Es ist unstrittig, dass Arbeit günstige Auswirkungen auf die psychische Gesundheit schwer psychisch Erkrankter hat.“

Nichtsdestotrotz sind nur ca. sechs Prozent der psychisch Kranken in Vollzeit beschäftigt, auch wenn die Mehrzahl von ihnen gerne arbeiten würde. Zwar gibt es Beschäftigungsmöglichkeiten in betreuten Einrichtungen, diese grenzen die Betroffenen jedoch aus der Gesellschaft aus, verhindern ein Mehr an gesellschaftlichem Miteinander und tragen nicht zum Abbau von Vorurteilen bei – kurz, sie stehen im Widerspruch zum Anliegen der Inklusion. Die drastische Verbesserung der Lebenssituation und des Befindens der wenigen Psychiatriepatienten, denen entgegen vielen Widerständen der Sprung ins Arbeitsleben gelungen ist, belegt anschaulich, dass sie wesentlich mehr leisten können, als ihnen gemeinhin zugetraut wird, und dass ihre Berufstätigkeit sich deutlich positiver auf ihre psychische Stabilität auswirkt als eine konservative psychiatrische Behandlung. Karrieren wie die der erfolgreichen amerikanischen Juristin und Psychologin Elyn Saks, die Psychotikerin und Inhaberin eines Lehrstuhls ist und von sich selbst sagt, ihre Arbeit habe sie gerettet, sprechen für sich. Reguläre Erwerbsarbeit ist der Weg heraus aus Stigmatisierung, Einschränkung und Abhängigkeit, hin zu einem selbstbestimmten, erfüllten Leben für psychisch Kranke.

Ein Ausblick

Hierzulande werden psychisch Kranke typischerweise im beschützten Rahmen der therapeutischen Einrichtungen einem berufsvorbereitenden Training unterzogen, bevor man ihnen Arbeitsmöglichkeiten in der freien Wirtschaft zu vermitteln versucht. Dieser Ansatz hat sich als nur mäßig zielführend erwiesen, da die Patienten fremdbestimmt und realitätsfern für ihren zukünftigen Job präpariert werden und im echten Leben oft entsprechend schlecht zurecht kommen. In den USA hingegen werden sie schon seit längerem mit guten Erfolg in den ersten Arbeitsmarkt integriert, indem ihnen so früh wie möglich zu einem Arbeitsplatz verholfen wird und sie parallel von spezialisierten Coaches beraten und begleitet werden. Die Erfolgsquote dieser Programme, also die Anzahl von Teilnehmern, die langfristig in Lohn und Brot bleiben, wird auf ca. 50% geschätzt. Die neue Leitlinie für psychosoziale Therapien empfiehlt dementsprechend den Ausbau von Programmen „mit einer raschen Platzierung direkt auf einen Arbeitsplatz des ersten Arbeitsmarktes und unterstützendem Training“. In Deutschland müssen erst noch viele juristische und gesellschaftliche Hürden genommen werden, bevor diese Empfehlung zur normalen Praxis werden kann. Aber es gibt immerhin erste vielversprechende Modellprojekte, die zum Teil versuchen, die Besonderheiten der Patienten als Stärken nutzbar zu machen.

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