Wie effektiv sind Apps bei Depressionen

Immer mehr Deutsche leiden an Depressionen. Die Fachärzte sind ausgelastet. Helfen sollen nun auch digitale Angebote. Dabei ist Vorsicht geboten, denn nicht jede App bei Depressionen stellte eine wirklich erfolgreiche Unterstützung dar.

2009 nahm Torwart Robert Enke sich das Leben. Sechs Jahre litt der Fußballer an einer depressiven Erkrankung und ließ sich unter ärztlicher Aufsicht behandeln. Zusammen mit seiner Witwe Teresa Enke gründete der Deutsche Fußball-Bund daraufhin die Robert-Enke-Stiftung und eine App, die Menschen mit Depressionen retten solle. Die Enke-App soll ein großes Hilfsangebot für Betroffene aufweisen. Der Mittelpunkt ist ein SOS-Knopf, der einen Hilferuf an Freunde oder einen Dienstleister sendet. Mut machen soll die fett gedruckte Botschaft auf der Website: „Robert Enke konnten wir nicht retten. Dich schon.“

Großes Angebot an Apps

Mittlerweile gibt es viele Dienste dieser Art, die Depressionstests, digitale Tagebücher und Anleitungen zu Achtsamkeitsübungen beinhalten. Das große Angebot gibt es jedoch nicht ohne Grund. Die Anzahl an potentiellen Nutzern ist enorm und steigt stetig weiter an. Laut der Deutschen Depressionshilfe liegt die Mehrung der behandlungsfähigen Depressionserkrankten bei rund fünf Millionen Deutschen pro Jahr. Und die Wartezeit für einen Termin bei einem Facharzt oder Psychotherapeuten ist sehr lang. Erhalten Erkrankte keine schnelle Hilfe, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Leiden sich in der monatelangen Wartezeit verschlimmert. Das Defizit sollen nun Apps und ähnliche Internet-Services ausfüllen. Diese können zu jederzeit, überall verwendet werden und sind anonym.

Helfen solche Apps denn wirklich?

Laut Dr. Philipp Klein, Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Uniklinikums Schleswig-Holstein, funktionieren sie sogar erstaunlich gut. Allerdings komme es darauf an um welches Online-Programm es sich handelt. Dementsprechend sollten sie nur auf psychotherapeutischen Techniken basieren.

Als bisher erfolgreich haben sich die Programme Deprexis, MoodGym und GetOn bewährt. Diese Interventionen sollen ähnlich wie die psychotherapeutischen Behandlungen funktionieren und wurden von Psychotherapeuten, einer Australischen Nationaluniversität und im Rahmen einer Studie der Unis Erlangen, Amsterdam und Lüneburg entwickelt. Möglicherweise können auch nur dadurch bestimmte Menschengruppen angesprochen werden. Beispielsweise solche, die bisher nicht erreicht wurden, da sie sich noch scheuen professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen oder weil der nächste Therapeut einfach zu weit weg ist.

Keine zu großen Erwartungen stellen

Professor Ulrich Hegerl, Direktor an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Uniklinikums Leipzig weist darauf hin, dass Betroffenen nicht eingeredet werden dürfe, dass einzig und allein eine App dem Problem Abhilfe schafft. Bei einer Depression handele es sich nämlich um eine u. U. lebensgefährliche Erkrankung und nicht um eine einfache Befindlichkeitsstörung. Damit stellen seiner Meinung nach die Apps nur eine Ergänzung zu den normalen Therapien durch einen Therapeuten oder den Arzt dar. Schließlich könne im Falle eines Suizidgedankens oder einer Krise keiner eingreifen.

Nicht nur in solchen Risikosituationen können die Programme hilflos bleiben. Schaden tun sie auch, wenn sie ihre Wirkung verfehlen. Da depressive Patienten eh oft pessimistisch gegenüber der Behandelbarkeit ihrer Depressionen eingestellt sind, können nicht funktionierende Apps, die Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung nur noch weiter verstärken und möglicherweise den Weg versperren, sich weitere Unterstützung zu suchen.

 

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