Kann Therapie über das Internet bei sozialen Ängsten funktionieren?

Schwer zu behandelnde psychische Störungen sind die, welche den sozialen Ängsten zugeordnet werden. Agoraphobie und Co führen nämlich oft dazu, dass die Betroffenen sich keine Hilfe suchen – denn das hätte ja mit zwischenmenschlicher Kommunikation zu tun.

In dieser Hinsicht bietet das Internet mit seiner wachsenden Landschaft an Therapie- und Selbsthilfeangeboten neue Möglichkeiten, die es wert sind, einmal genauer unter die Luppe genommen zu werden.

Ist Online-Therapie gleich Online-Therapie?

Natürlich ist sie das nicht. Wie in jedem noch jungen Bereich der Wissenschaft, zu dem die Untersuchung von Online Angeboten zur Linderung psychischer Leiden durch die Psychologie ohne Frage gehört, gibt es zunächst eine Diskussion darüber, wie welcher Begriff definiert wird und was überhaupt untersucht wird. Hierzu wird im Moment in der Forschung zwischen zwei Formen des Angebots im Internet im allgemeinen und drei Formen des Angebots für psychisch Kranke unterschieden.

Zunächst wird das Internet immer entweder als Informations- oder als Kommunikationsmedium genutzt. Hieraus entstehen die drei Behandlungsansätze. Rein dem Charakter des Informationsmediums zuzuordnen ist der Ansatz der ungeleiteten Selbsthilfeprogramme, die keinerlei Kommunikation zwischen Klienten und Beratendem beinhalten. Auf dem anderen Ende des Spektrums befinden sich die Behandlungsansätze, die das Internet als Kommunikationsmedium nutzen und daher Therapien via Videotelefonie, Chat oder Email anbieten.

Diese verschiedenen Arten der Therapie kommen also zu den traditionellen hinzu und werden mit diesen in der Königsklasse der psychologischen Studie, den randomisierten und kontrollierten Studien verglichen. Bei dieser Art von Studie werden die Probanden den verschiedenen Therapien zufällig zugeordnet und die Variablen, die den Ausgang der Therapie beeinflussen und manipuliert werden können, so gut wie möglich kontrolliert.

Gute Resonanz auf internetbasierte Therapie

In den letzten fünf Jahren hat sich die Forschung zu internetbasierter Therapie in Deutschland mehr als verdoppelt. In den neuen Studien bewegen sich die Probanden meist in virtuellen Umfeldern, die einem Forum gleichen, auf denen sie verschiedene Formen der oben beschriebenen Therapieform nutzen, „Lektionen“ mit Aufgaben, Übungen und Texten bearbeiten und sich mit Leidensgenossen austauschen können. Generell wird diese Art der Therapie anderen vorgezogen – in Studien gaben die Hälfte der Befragte an, lieber eine Internet-basierte Therapie absolvieren zu wollen, als eine reguläre.

Dies kann auf verschiedene Faktoren zurückgeführt werden. Zum einen kann die Wahrung der Anonymität reizvoll sein – denn im Grunde muss niemand davon erfahren, da der einzige Unterschied ist, dass ein paar Stunden mehr in der Woche am Computer verbracht werden. Ein Weiterer kann die Angst vor einer medikamentösen Behandlung sein, die natürlicherweise kein Bestandteil einer internetbasierten Therapie sein kann. Außerdem ist es in vielen Regionen entweder auf Grund der geringen Dichte an Therapeuten oder der zu hohen Auslastung der Praxen nicht oder nur schwer möglich, einen Platz zu erhalten. Aber auch als Ergänzung oder Nachbereitung zu einer Psychotherapie scheinen die Onlineangebote nachgefragt zu werden. Die in der Wissenschaft wenig ausschlaggebenden aber trotzdem interessanten qualitativen Rückmeldungen der Klienten zeigen, dass die Programme viele positive Wirkungen haben.

So wird vor Allem die online entstehende „Gemeinschaft“ mit den anderen Nutzern positiv hervorgehoben, da diese den Betroffenen das Gefühl nimmt, mit den Problemen alleine zu sein, sie sozusagen aus den Geschichten und Fehlern anderer lernen lässt und ihr Selbstbewusstsein stärkt, wenn sie anderen bei ihren Fragen und Problemen zur Seite stehen können. Des Weiteren wird der Ersatz eines physischen Gegenüber in Form eines Therapeuten durch Email- Chat- oder Telefonkontakt als durchaus positiv wahrgenommen. Viele Patienten berichten, dass es ihnen hilft, sich offen und ehrlich auf die Therapie zu konzentrieren, ohne sich durch persönliche Eigenschaften des Therapeuten daran hindern zu lassen. In Befragungen gaben sie jedoch trotzdem an, eine angenehme, persönliche Beziehung zum Therapeuten zu haben, was wahrscheinlich darauf zurückzuführen ist, dass sie sich auf Grund der Korrespondenzen ein Bild des Therapeuten gemacht haben.

Empirische Befunde zu internetbasierter Therapie

In Hinsicht auf Studienergebnisse zur Effektivität von internetbasierter Therapie bei Angststörungen, müssen die oben genannten Unterschiede zwischen den verschiedenen Formen unterschieden werden. So zeigte sich, dass rein auf Information ausgelegte Behandlungsformen, also die klassische Selbsthilfe ohne Kommunikation mit einem Therapeuten, zu einer hohen Abbrecherquote führten und auch sehr viel mehr Rückfälle aufwiesen, als Misch- und Kommunikation enthaltende Formen. Dies wurde bereits durch eine große Anzahl an Studien bestätigt.

Zur Email- und Chat-Therapie gibt es zwar noch nicht viele randomisierte, kontrollierte Studien, doch die bisherigen Ergebnisse scheinen vielversprechend zu sein, genau so wie für die wie oben beschriebenen geleiteten Selbsthilfeprogramme. Hier wurden speziell Angststörungen in empirisch verlässlichen Studien untersucht und gaben ein einheitliches, optimistisch stimmendes Bild. Teilweise zeigten sich in diesen Studien von geleiteten Selbsthilfeprogrammen nach den Interventionen sogar bessere Ergebnisse in der Fremdeinschätzung von sozial phobischen Patienten, als nach Gruppentherapien.

So zeigt sich eine mögliche Integration dieser Maßnahmen als normaler Teil der Versorgung psychisch kranker Menschen, die auf einen Therapieplatz warten, oder nach einer Therapie mit größerer Selbstverantwortung weitere Vorschritte machen oder ihre Erfolge konsolidieren wollen. Allgemein ist Vorbehalten durch die Fachwelt also zu widersprechen, sondern eher eine bessere Aufklärung über die Möglichkeit dieser Programme für Bedürftige wünschenswert.

 

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