Der Fetischismus

Es gibt praktisch nichts, was nicht zum Objekt der sexuellen Begierde werden kann. So sind, in entsprechenden Kreisen, getragene Socken oder Latexhosen ebenso begehrt wie Luftballons oder Windeln. Lange Zeit über galten die sexuellen Vorlieben von Fetischisten als pervers. Auch heute noch gilt der Fetischismus unter vielen eher konservativen Fachleuten als Störung der Sexualpräferenz.

Die moderne Sexualwissenschaft hält Fetischismus allerdings eher für eine harmlose Marotte. Ihrer Meinung nach muss schon ein echter Leidensdruck vorhanden sein, damit eine Psychotherapie notwendig wird. Der Versuch der Psychiatrie, “normale” und “krankhafte” Sexualität zu definieren, gilt nicht mehr als zeitgemäß. Heute sieht man es eher so, dass alles, was einem Menschen und seinen Mitmenschen nicht schadet, als normal anzusehen ist. Im Rahmen seiner eigenen sexuellen Vorlieben kann alles zum Fetisch werden.

Wann Fetischimus zu Problem wird

Zum Problem wird der Fetischismus nur dann, wenn das soziale Leben des Betroffenen nicht mehr funktioniert. Etwa wenn sich alles nur noch um das Objekt der Begierde dreht. Oder wenn der Fetischist Straftaten begeht, um seine sexuelle Fixierung auszuleben. Das ist etwa dann der Fall, wenn die betreffenden Gegenstände gestohlen werden. In der Regel ist das aber die Ausnahme. Zum Problem kann es aber werden, wenn die Umwelt, also die Familie, der Partner oder der Freundeskreis, kein Verständnis für die sexuellen Neigungen aufbringt. Dann gerät der Betroffene schnell ins gesellschaftliche Abseits.

Fetischismus in Spiegel der Geschichte

Wer glaubt, dass Fetischismus eine Erscheinung unserer modernen Welt ist, der irrt. So genügt ein Blick in Goethes „Faust“, um sich eines besseren belehren zu lassen. So befiehlt dieser Mephisto ihm eine greifbare Erinnerung an Gretchen zu bringen: “Schafft mir ein Halstuch von ihrer Brust, ein Strumpfband meiner Liebeslust!” Auch das Aufheben eines Taschentuchs könnte man als Form des Fetischismus betrachten. In unserer modernen Welt ist es natürlich sehr viel einfacher geworden, sich zum Fetischismus zu bekennen. Ob man nun nasse Kleidung bevorzugt oder sich als Erwachsener Windeln anzieht, alles ist möglich. Spezielle Shops bieten alles, was das Herz des Fetischisten begehrt. Man kann sich getragene Wäsche ebenso einfach bestellen, wie Schnuller für Erwachsene.

Verschiedene Theorien zur Ursache von Fetischismus

Bei der Erforschung der Ursachen für fetischistisches Verhalten existieren mittlerweile etliche Theorien. So gilt eine starke Liebesentbehrung in der Kindheit als Auslöser für Windelfetischismus. Andere Wissenschaftler halten ein gestörtes Verhältnis zum anderen Geschlecht für ausschlaggebend. Besonders dann, wenn sich der Betroffene mit getragener Wäsche beschäftigt. Sie sind der Ansicht, dass diese Menschen Schwierigkeiten damit haben, reale soziale Kontakte zu knüpfen. Ist eine Behandlung notwendig, so richtet sich diese auf die Beseitigung der Kontaktprobleme. Natürlich kann es im Rahmen von Fetischismus auch zu Straftaten kommen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass Fetischisten zu sexuellen Übergriffen neigen.

Die meisten Psychotherapeuten sehen Fetischismus heutzutage nicht mehr als “pervers” an. Für sie ist der Fetischismus lediglich eine Spielart der Sexualität. Meist finden fetischistische Handlungen im privaten Rahmen statt. Dort treffen sich Gleichgesinnte, um ihrer Neigung nachzugehen und ihre sexuellen Fantasien zumindest zeitweise wahr werden zu lassen. Es gibt also keinen Grund, bei einer Vorliebe für außergewöhnliche Dinge eine Krankheit oder eine sexuelle Störung zu vermuten.

 

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