Forscher entdecken Gene für bipolare Störung

Betroffene der manisch depressiven Erkrankung, wie die bipolare Störung im Volksmund auch genannt wird, haben bis zu ihrer Diagnose meist einen langen Leidensweg hinter sich. Bei vielen Patienten zeigen sich die ersten Symptome zwischen dem 15. und dem 30. Lebensjahr und somit schon in einer Phase, in der die Medizin davon ausgeht, dass die Persönlichkeit sich noch nicht vollkommen ausgebildet hat. Das Erkennen einer so schwerwiegenden Erkrankung in jungen Jahren – gerade in Zeiten der Modediagnosen Borderline und ADHS – kann also eine echte Herausforderung sein. Gerade Hausärzte, die häufig die erste Anlaufstelle der Betroffenen sind, sind oft maßlos überfordert.

Die bipolare Störung kann sich in vielerlei symptomatischen Verläufen äußern, welche jedoch stets beinhalten, dass die Betroffenen sich hin und her bewegen zwischen den beiden extremen Gefühlswelten der Depression und der Manie. Damit übersteigen sie bei Weitem die normale Schwingungsfähigkeit der menschlichen Psyche und begeben sich in einen pathologischen Bereich, der nur schwer zu ertragen ist. Die häufig in den Medien anzutreffende Romantisierung der Störung ist genauso fehl am Platze wie die Stigmatisierung durch Arbeitgeber und das soziale Umfeld der Erkrankten. Denn weder macht sie die Erkrankung zu kreativen Genies, noch zu ausgeflippten Verrückten. Mit den bisher noch ungeklärten Ursachen der bipolaren Störung hat sich nun eine internationale Forscherkollaboration befasst, die in einer weltweit unvergleichlichen genetischen Studie einmal ganz genau hingeschaut haben.

Die Studie im Detail

Mit Prof. Dr. Markus M. Nöthen, Direktor des Instituts für Humangenetik an der Universitätsklinik Bonn, Prof. Dr. Marcella Rietschel vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim und Prof. Dr. Sven Cichon vom Universitätsspital Basel haben sich einige der renommiertesten Forscher auf dem Gebiet der Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie zusammen getan und einige Forschungsergebnisse erzielt, die in der aktuellem Ausgabe des „Nature Communications“ vorgestellt werden. Die Studie, bei der das genetische Material vom insgesamt 9 747 bipolar erkrankten Menschen mit dem von 14 2789 gesunden Kontrollpersonen verglichen wurde, wurde finanziell vom Bundesministerium für Forschung und Bildung im Rahmen des NGFNplus (Nationalen Genomforschungsnetzwerkes plus) im Integrierten Genomforschungsnetzwerk MooDS (Systemstic Investigation oft he Molecular Causes of Major Mood Disorders and Schizophrenia) und im Rahmen des e:Med Programms zur Systemmedizin im Integrierten Netzwerk IntegraMent (Integrated understand of causes and mechanisms in mental disorders) gefördert. Die Investitionen haben sich gelohnt, denn die Forscher konnten einige Erfolge erzielen. In standardisierten Analyseverfahren durchkämmten sie das genetische Material ihrer Probanden und speisten die Ergebnisse in einen bereits existierenden Datensatz ein. Durch den somit einzigartig immensen Umfang der Untersuchung konnten natürliche individuelle Unterschiede im Genmaterial statistisch reduziert und die tatsächlich in Verbindung mit der Erkrankung auftretenden Gensequenzen identifiziert werden, so Prof. Dr. Cichon. Die so ermittelten „Kandidatengene“ konnten somit als mitverantwortlich für die Entstehung der bipolaren Störung ausgemacht werden. Jedoch reicht die alleinige genetische Disposition nicht aus, da die Gene untereinander und auch mit psychosozialen Faktoren in komplexer Beziehung stehen, erklärt Prof. Dr. Nöthen.

Die Ergebnisse im Detail

Anhand von biostatistischen Methoden konnten die Wissenschaftler nun insgesamt fünf Kandidatengene bestätigen, zwei von ihnen wurden erst im Rahmen dieser Studie entdeckt. Besonders eine der neu entdeckten Sequenzen, Gen ADCY2 auf Chromosom 5, fiel den Experten ins Auge. konnte in der Vergangenheit bereits nachgewiesen werden, dass bipolare Patienten in bestimmten Hirnregionen eine verminderte Aktivität aufweisen, so wurde nun endlich das genetische Pendant dazu gefunden: Die oben genannte Gensequenz codiert nämlich die Synthese eines Enzymes, welche bei der Weiterleitung von Nervenimpulsen benötigt wird. Aufgrund der Tatsache, dass nun der biologische Auslöser hinter diesem Phänomen bekannt ist, kann auch an neuen Therapiemöglichkeiten – beispielsweise pharmakologisch – gearbeitet werden. Prof. Dr. Nöthen sieht hier ganz klar den Mehrwert seiner Studie. Doch auch frühere Forschungsergebnisse konnten nun endlich statistisch untermauert werden und somit gelten nun die Kandidatengene ANK3, TRANK1 UND ODZ4 ebenfalls als erwiesen in Zusammenhang stehend mit der Ausbildung einer bipolaren Störung.

 

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