Angst vor Tieren- Interview mit einem Betroffenen

Angst vor Tieren ist weit verbreitet. Die einen fürchten sich unverhältnismäßig stark vor Spinnen, während andere furchtbare Angstzustände vor Schlangen durchleben. Jene Angstmomente äußern sich in unterschiedlichen Strukturen. Die Angst kann vor konkreten Verletzungen, wie dem Biss einer Schlange, oder gar vor der bloßen Anwesenheit des Tieres, bestehen. Wir haben mit einem Betroffenen gesprochen und viel über seine Gefühlswelt und mögliche Abwehrmechanismen im Umgang mit Angst vor Pferden lernen dürfen. Vistano sprach mit dem Tierfreund Michael Pauli.

Vistano: Wann begann Deine Angst vor Pferden?

Michael Pauli: Meine Angst oder anfängliche Vorsicht gegenüber Pferden gründete sich zunächst auf den Aussagen meines Opas und Vaters. Beide warnten mich von jeher davor, dass Pferde den Menschen auch mal beissen oder treten können. Sie hatten leider bereits ähnlich schlechte Erfahrungen gemacht und meinten es nur gut mit mir. Ob der Größe und des Gewichts dieser stolzen Tiere, schüchterten mich solche Aussagen verständlicherweise ziemlich ein. Diese Warnungen habe ich das erste Mal bekommen, als wir im Urlaub auf der autofreien Nordseeinsel Juist waren. Dort bewegen sich die Touristen und Inselbewohner viel auf Pferden oder in Kutschen weiter. Wenn ich zurück denke war der zweite engere Kontakt mit Pferden in der 4. Klasse, als wir mit der Klasse einen Reiterhof besuchen haben und ich unglücklicherweise vom Pferd gefallen bin. Dieses Erlebnis unterstützte mein Vertrauen in die Vierbeiner nicht gerade.Bis zu diesem Zeitpunkt war meine Angst noch keine stark ausgeprägte, da ich den Kontakt weitestgehend vermieden habe und konnte.

Vistano: Wie äußerte sich Deine Angst vor Pferden?

Michael Pauli: Auf dem Reiterhof, nach meinem Sturz, habe ich es stets vermieden weiterhin mit Pferden in Kontakt zu treten. Allerdings kam man bei dieser besonderen Klassenfahrt nun wahrlich nicht drum herum. Während ich auf dem Pferd saß, hatte ich Schweißausbrüche, mein Herz klopfte mir bis zum Hals. Nach dem Sturz verging mir buchstäblich den Appetit, was für einen Jungen in diesem Alter schon untypisch ist.

Vistano: Hast Du selbst schlechte Erfahrungen mit Pferden gemacht?

Michael Pauli: Eigentlich nicht, nein. Von jeher hatten meine Töchter den Wunsch zu reiten und sie haben immer viel Spaß daran empfunden. 2001 verbrachte ich mit meinem Schwager einen Schottland-Urlaub und erlebte erneut eine Begegnung mit einer ganzen Herde Pferde. Sie waren so zutraulich, dass ein Pferd sogar seinen Kopf in unser Auto steckte und ich war mir sicher jetzt passiert es: Mein Schwanger wird gebissen! Aber nichts geschah, die Tiere waren friedlich und auch wenn meine Angst in diesem Moment grenzenlos war, ist es im Nachhinein sicherlich ein positives Erlebnis gewesen. Als ich 2003 meine Frau kennenlernte, versuchte ich am Anfang noch dem Stall aus dem Weg zu gehen. Sie ist allerdings eine sehr leidenschaftliche Reiterin und wenn man jemanden liebt, möchte auch an dem teilhaben, was dem Partner wichtig ist. Die Liebe hat eine Brückte für mich geschlagen.

Vistano: Wie konntest Du deine Angst vor Pferden überwinden?

Michael Pauli: Ich wurde gelinde gesagt dazu gezwungen meine Angst zu überwinden. 2004 erkrankte das Pferd meiner Frau an Choliken. Meine Frau war zu der Zeit nicht daheim und ich wurde angerufen und in den Stall zitiert. Schon meiner Frau zuliebe hätte ich Dino niemals alleine gelassen in dieser Zeit. Aber die Stallhalterin machte mir die Dringlichkeit meiner Anwesenheit sehr deutlich. Vor Ort angekommen, „musste“ ich eine Stunde mit Dino in der Box gemeinsam auf die Wirkung der Spritzen wirken und das hat alles verändert. Es war der Wendepunkt in unserer Beziehung. Hatte der Blick eines Pferdes mich zuvor geängstigt, so sah ich nun das Bedürfnis nach meiner Anwesenheit in seinen Augen und vor allem seinen Schmerz. Einzig dieser Anblick und der Gedanke an meine Frau ließen mich die ersten angsterfüllten Minuten überstehen. In der Folge passierte etwas Wundersames: Dino legte den Kopf an meinen, er suchte meine Nähe und mir wurde klar, dass Pferde wie wir Menschen auch empfindsame Wesen sind. Auch wenn es oftmals so scheint als seien Pferde alle gleich- weil wir anders als bei Hunden ihre charakterlichen Unterschiede nicht sofort wahrnehmen können- lohnt sich ein zweiter Blick.

Vistano: Wie ist Dein heutiger Umgang mit Pferden?

Michael Pauli: Mein heutiger Umgang mit den liebevollen Tiere ist sehr innig. Ich begleite meine Frau sehr gerne auf Turniere, fotografiere die Parcours, die sie mit ihrem Liebling Dino vollführt.Dabei habe keine Probleme mich auch unter die Barrieren zu legen und somit tolle Fotos aus der Froschperspektive zu schießen. Früher wäre dies niemals denkbar gewesen. Über Filme und tolle Reportagen in Büchern habe ich mich immer mehr dem Pferd als Lebewesen angenähert, seine Verhaltensweisen nachvollziehen können. Wir sind uns dadurch um einiges näher gekommen, weil ich gelernt habe sie zu „verstehen“. Ich gehe sehr gerne mit dem Pferd meiner Frau spazieren- ja auch mit Pferden kann man spazieren gehen und es bereitet mir stets viel Freude. Der Umgang mit Pferden ist, nicht zuletzt durch meine Frau, Teil meines Alltags geworden. Das ist sicherlich eine lehrreiche Entwicklung, da ich glaube, dass man ohne stetige Konfrontation leicht wieder in die alten Angstmuster verfallen kann. Ab und zu reite ich selbst, dies allerdings rein aus Vergnügen. Ich habe meine Frau auch mal zu einem Kurs von einer Art Pferdeflüsterin begleitet, die im Allgäu über den Umgang von Menschen und Pferden gesprochen hat und uns einiges über diese schönen Tiere beibringen konnte.

Vistano bedankt sich herzlich für das interessante Interview bei Herrn Pauli. Herr Pauli ist einer von vielen Hippophobikern.

Die Symptome dieser Angst äußern sich auf unterschiedliche Art und Weise und nicht jedem ist es möglich seine Ängste eigenständig zu bewältigen. Es gibt inzwischen zahlreiche Verhaltenstherapien, die den Umgang mit derartigen Ängsten ermöglichen. In diesem Bereich beweisen sich immer öfter Konfrontationstherapien, wie Herr Pauli es für sich auch erlebt hat, als heilsam.

 

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