Was der Mensch von der Schnecke lernen kann

Elena Adam, eine Autorin des Internetportals der Süddeutschen Zeitung, hatte vor einiger Zeit ein Experiment mit fünf Weinbergschnecken durchgeführt. Fünf Tage lang wollte sie die Tiere beobachten und studieren. Die Erkenntnis, zu der sie kam, ist doch etwas überraschend.

Schon als Elena die Weinbergschnecken, die in einem Paket bei der Post in Garmisch-Partenkirchen lagen, abgeholt hatte, fing das Abenteuer an. Die erste Handlung, die sie vornahm, war, das Paket im Kofferraum ihres Autos zu öffnen und die Schnecken mit Wasser zu besprühen. Da dies der Tag vor dem G-7-Gipfel war, wurden die Schnecken auch gleich nach einigen Staats- und Regierungschefs benannt:

  • Angela
  • Barack
  • Francois
  • David
  • Matteo

Nachdem Elena während der Schnecken-Bewässerung freundlich von einem Polizisten zu einer Kontrolle gebeten wurde, wurde das Auto der potenziell Verdächtigen gründlich durchsucht. Währenddessen hatten sich alle Schnecken in ihre Häuser verzogen – bis auf Barack, der machte sich auf den Weg, die Wand zu erkunden.

Langsam und zielstrebig

Zuhause angekommen wurde sofort ein Terrarium eingerichtet, in dem sich Barack, Francois, David und Matteo sofort an die Arbeit machten und die Umgebung erkundeten. Nur Angela kam nicht aus ihrem Haus. Nachdem aber ein Stück Melone in das Terrarium gelegt wurde, passierte etwa drei Stunden später etwas, mit dem Elena nicht mehr gerechnet hätte: Angela kam aus ihrem Haus und kroch los – ganz langsam. Sie war die Langsamste von allen. Doch so langsam sie auch war, so zielstrebig war sie auch, denn sie kroch direkt auf die Melone zu.

Man möchte es zwar kaum glauben, doch Schnecken machen Kaugeräusche. Immerhin haben diese beeindruckenden Tiere rund 40.000 Zähne auf ihrer Zunge. Angela hatte eine gute Stunde an der Melone gefressen – als Einzige. Die anderen Schnecken krochen noch immer munter durch das Terrarium – ohne zu fressen.

Durchschnittlich bewegt sich eine Schnecke mit nur etwa 0,003 km/h. Schon seit einer halben Milliarde Jahre haben sie daran nichts geändert. Dazu haben sie auch keinen Grund, denn der ewige Kampf, noch schneller zu sein und noch mehr Leistung zu erbringen, ist einzig ein Ding des Menschen. Manchmal kann es auch reichen, einfach nur lange genug zu warten und nichts zu tun, denn irgendwann fällt bestimmt ein leckeres Stück Melone vom Himmel.

Barack hatte Elena gelehrt, dass nichts Schlimmes passiert, nur weil man mal einen Tag komplett verschläft. Matteo durfte sogar einmal einen gesamten Tag durch die Küche kriechen: Auf 10 Minuten Kriechen folgten 20 Minuten Ausruhen. Aber auch bei David und Francois tat sich etwas, denn über einen Zeitraum von sage und schreibe 16 Stunden hatten die beiden ununterbrochenen Schneckensex.

 

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