Ohrenschmalz von Walen archiviert Lebensbedingungen

Wie der Mensch im letzten Jahrhundert mit Walen umgegangen ist, erfährt man, wenn man ihnen ins Ohr schaut, besser gesagt, deren Ohrenschmalz analysiert. Die Forscher Sascha Usenko und Stephen Trumble erforschen bereits seit geraumer Zeit die Ohrenschmalzpfropfen der Meeressäuger, die zum Schutz der Wale und als wertvolle Sammlung von Daten sehr wichtig sind. Das Ohrpfropfen-Gemisch der Bartenwale lagert sich wie Sedimentschichten im Ohr ab. Der Gehörgang dieser Tiere ist nach außen geschlossen, um das das empfindliche Innenohr vor eindringendem Wasser, in dem sich der Hör- und Schwere-Sinn befindet, zu schützen. Ein über viele Jahre gebildeter Pfropfen kann bei einem Blauwal immerhin 25 Zentimeter lang werden. Solche Ohrpfropfen findet man aber nur bei den Bartenwalen. Das Gehör der Pott- und anderen Zahnwalen ist anders aufgebaut und somit fehlt ihnen
Ohrenschmalz.

Wachstumsringe dokumentieren die Lebensumstände

Ob ein Wal, ein gutes Jahr hatte oder nicht, lässt sich durch hellere und dickere Schichten in den Lipiden und Keratinen des Schmalzpfropfens ausmachen. Diese ähneln den Wachstumsringen eines Baumes. Dabei stehen eine helle und eine dunklere Schicht für ein Lebensjahr und somit lässt sich auch das Alter des Wales gut bestimmen. In den einzelnen Ablagerungen stecken aber auch wichtige Informationen über äußerliche Einflüsse, wie z. B. von Schadstoffen, die toxisch auf den Walorganismus eingewirkt haben, aber auch über endogene Einflüsse wie z. B. die hormonelle Entwicklung. Forscher haben aus 20 Ohrenschmalzpfropfen, die sie von verschiedenen Walarten aus dem Nordatlantik sowie des Nordpazifiks gewonnen haben, sehr viel Datenmaterial gesammelt. Hauptsächlich ging es dabei um das Stresshormon Kortisol. Kortisol wird, wie bei Säugetieren, Menschen oder Walen vermehrt in den Nebennieren hergestellt und lagert sich in Körpergewebe, Organen, Blut, Urin und Ausscheidungen sowie in Haaren und Fett ab. Im Ohrenschmalz kann Kortison allerdings nicht zerfallen und begleitet den Wal sein ganzes Leben lang und archiviert seine Lebensumstände.

Blauwal im Stress

Mit der Industrialisierung und extremen Ausbeutung der Ozeane stieg der Stressspiegel der Tiere. Dies lässt sich durch Hormonprofile von Ohrenschmalzproben über einen Zeitraum von 146 Jahren deutlich belegen. Die Proben aus den Jahren ab 1870 bilden dabei die Basis. Damals gab es kaum Stressfaktoren, die durch den Menschen verursacht wurden. Das Stresshormonniveau stieg, ab dem Zeitpunkt der industrialisierten Fischerei, stark an, denn es wurden unmöglich viele Wale getötet. In den Ohrenpfropfen überlebender Tiere ist für diesen Zeitraum ein deutlich erhöhter Kortisolspiegel nachzuweisen. Als der kommerzielle Walfang beendet wurde, normalisierte sich der Kortisolspiegel der Säuger wieder, bis er in den 1970er Jahren erneut leicht anstieg. Eine anzunehmende Ursache war wahrscheinlich der zunehmende Schiffsverkehr in den Ozeanen, oder aber die steigende Verschmutzung der Meere. Durch die Ohrpfropfen können die Wissenschaftler das genaue Alter des Wals, bei weiblichen Tieren sogar den Einsprung und die der Geburten, den Beginn der Pubertät, oder welche Ozeane wann durchquert wurden, herauslesen. Mit all diesen Informationen sollte es zur heutigen Zeit ein leichtes sein, extreme Stresssituationen, zumindest in den Schutzgebieten, deutlich zu reduzieren. Denn weniger Stress wirkt sich bei den Meeressäugern, wie auch bei uns Menschen, positiv auf die Entwicklung aus.

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