Bianca und Etienne

Bianca und Etienne

Auch die Geschichte dieses Paares begann “holterdiepolter”. Es ist symptomatisch für Beziehungen, in denen der eine Partner narzisstische Charakterzüge besitzt, dass man überstürzte Entscheidungen, wie Heiraten oder Zusammenziehen, trifft.

Bianca hatte Etienne in der Cafeteria einer Kunstsammlung kennengelernt und nach ein paar Treffen schon schlug Etienne vor, Bianca solle zu ihm ziehen. Er sagte, sie sei seine Traumfrau und es sei ja auch praktisch, denn sie als Musikstudentin hatte nur ein winziges Appartement in der Kölner Innenstadt. Anfangs zögerte sie, denn sie kannte ihn ja erst seit vier Wochen. Aber Etienne sah sehr gut aus, er war sehr großzügig und als Facharzt mit eigener Praxis sehr erfolgreich und sie war sehr in ihn verliebt. Das alles kam dem inneren Bild, das Bianca von ihrem Märchenprinzen hatte, recht nahe. Innere Werte hatte sie dabei wohl nicht visualisiert, denn dass Etienne eine gewisse Gefühlskälte umgab, störte Bianca erst einmal wenig. Kurz, sie packte ihre Siebensachen und zog bei ihm ein. Es gab in der Stadtvilla, die Etienne von seinen Großeltern geerbt hatte, sogar einen Flügel, auf dem die junge Frau ungestört üben konnte!

Als Bianca nach einem Jahr des Zusammenlebens endlich gewahr wurde, dass Etienne sie wirklich drangsalierte, war schon einiges passiert. Sie konnte ihm einfach nichts Recht machen. Hatte sie mal gekocht, maulte er, er brauche eine Frau zum repräsentieren und keine Hausfrau. Waren sie mehrere Abende hintereinander beim Italiener gewesen, maulte er herum, dass es aber auch nett sei, mal nach Hause zu kommen und das Essen sei schon fertig. War sie dann zuhause, wenn er aus der Praxis kam, knurrte er sie an, es sei ihm irgendwie zu viel Nähe. War sie mit Kommilitonen unterwegs, telefonierte er hinter ihr her. Einmal roch er eine Bierfahne an ihr, da verpasste er ihr eine heftige Ohrfeige. Er drohte damit, den Flügel zu verkaufen und die Kreditkarte zu sperren. Vor allem zweifelte er ihre künstlerische Begabung an! Er entwertete sie, wann immer sich eine Gelegenheit dazu bot.

Einmal vertraute sie ihm an, dass sie stark unter Prüfungsangst leide. Da lachte er sie aus, schlug ihr vor, sie solle sich an ihm ein Beispiel nehmen, er mache immer alles mit sich selber aus. Dabei hatte sich Bianca Abende lang seine Geschichten angehört- was für ein großartiger Mann er doch sei! Und wirklich, Biancas Freunde fanden Etienne wunderbar und keiner konnte verstehen, warum sie immer unglücklicher wurde. Ihr Selbstwertgefühl war im Keller, sie litt unter Schlaflosigkeit und sie fing an, über eine Trennung nachzudenken. Aber sie war zu schwach, ihre Gedanken in die Tat umzusetzen.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.