Prüfe, was sich ewig bindet

Prüfe, was sich ewig bindet

Prüfe, was sich ewig bindet

Die Zeiten, in denen Eltern das erste und letzte Wort hatten, wenn es darum ging, den Lebenspartner für die Tochter auszuwählen, gehören – zumindest in Deutschland – der Vergangenheit an. Die Jugend will ihre Erfahrungen in Liebe und Beziehungen selbst machen. Nun kann ihnen niemand die Verantwortung abnehmen für das, was sie tun, aber haben sie wirklich immer den klaren Blick, der nötig ist?

Das Sprichwort „Liebe macht blind“ gilt auch heute noch. Natürlich soll in der Liebe zuallererst das Herz sprechen, aber es ist mindestens genauso wichtig, die zukünftige gemeinsame Lebensgrundlage zu prüfen.

Charaktereigenschaften, von denen man weiß, dass man sich nie mit ihnen abfinden wird, dürfen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Die Hoffnung, dass sich charakterliche Eigenheiten, an denen man insgeheim Anstoß nimmt, in der Ehe „abschleifen“,  täuscht fast immer. Schon der Versuch, dem anderen dieses oder jenes abzugewöhnen, gefährdet die Ehe. Die persönliche Freiheit, das Eigenleben des Partners, muss berücksichtigt werden. Allerdings gibt es da Grenzen; vor allem wenn körperliche oder seelische Gewalt mit im Spiel sind.
In meiner Beratungspraxis habe ich es mehr als einmal erlebt, dass eine Frau einen Mann geheiratet hat, der klar und deutlich vor der Ehe gesagt hat, er wolle keine Kinder. Auf meine Frage „Warum hast Du ihn denn dann trotzdem geheiratet, wenn Du Dir so sehnlichst Kinder wünschst?“ habe ich fast immer die Antwort bekommen: „… weil ich ihn doch so sehr liebe und gehofft habe, er überlegt es sich anders. Das ist so gut wie nie der Fall.

Es ist besser, die Kraft und den Mut aufzubringen, rechtzeitig die Konsequenzen zu ziehen. Glück oder Tragik einer Ehe lassen sich niemals zu 100 % im Voraus berechnen. Eines jedoch kann man in die Waagschale werfen; einen klaren Blick für die Wirklichkeit.

Herzlichst

Karin Dorothee Michel