Beziehung und die Kunst der Kritik

Wem von uns ist es noch nicht passiert – im Beruf, unter Freunden, in der eigenen Familie, oder gar in der Beziehung oder Partnerschaft: Es kam zu einer Auseinandersetzung, einem Streit, und zuletzt erhielt man den Titel: “Du kannst aber gar keine Kritik vertragen!”

Oder der umgekehrte Fall: Man ist über die Sturheit eines anderen verärgert und holt, als letztes, durchschlagkräftiges Mittel im Streit, zu dem vernichtenden Satz aus, und wirft ihn dem anderen an den Kopf: “Du bist völlig kritik-unfähig!” Schweigen. Stille. Ärger und Gegenärger. Es ist eine Aussage, gegen die man kaum argumentieren kann, jedenfalls sieht es so aus, da das Streitthema plötzlich auf eine andere Ebene gehoben wird, und schlimmer noch: es ist eine Ebene, auf welcher der ganze Mensch, insbesondere seine sozialen Fähigkeiten in Zweifel gezogen werden.

Das Stigma der Kritikunfähigkeit

Nicht selten wird von diesem “kritischen” Moment die ganze Beziehung zu einem anderen Menschen oder zu einer Gruppe von Menschen geprägt. Dann gilt einer als “Dickkopf”, als stur, unverbesserlich oder träge; schlimmer noch trifft es einen, wenn Stichworte wie “team-unfähig”, “kritik-unfähig” oder “egozentrisch” fallen.

In den meisten Fällen wird der Angegriffene von einem solchen Stigma nicht begeistert sein – er wird es als gemein, anmaßend und ungerechtfertigt betrachten, während der Angreifer sich im Lichte der Wahrheit wähnt, hat er doch nur zu einem Argument gegriffen, welches ihm der Gesamtsituation als angemessen erschien. Die Gefahr dabei ist das Gift, das sich in diesem Moment zwischen den Streitenden festsetzt, da hier eine menschliche Grundsatzfrage stellvertretend in einen Streit eingebracht wurde, die ein globales Urteil über einen Menschen spricht. Das kann zum Bruch alter und neuer Freundschaften führen, in einer Partnerschaft gar sind solche Aussagen manchmal der Anfang vom Ende.

Gibt es Lösungen?

Da stellt sich die Frage: sind solche Konflikte lösbar? Kann man sich gegen derlei Vorwürfe wehren? Oder… hat man am Ende gar Anlass, über eine solche Brandmarkung nachzudenken und sie eventuell als gerechtfertigt anzunehmen? Beginnen wir gleich am Ende – mit einem klaren “Nein” auf den letzten Teil der Frage. Wir sprechen hier überglobale Urteile über andere Menschen, und wiewohl es in Einzelfällen wirklich “Unverbesserliche” geben mag, ist es sicher nicht richtig, so an diese Problemstellung heranzugehen. Man kann die Frage, ob es echte Lösungen für das Phänomen der unverstandenen Kritik gibt, nicht damit beginnen, dass man erst einmal eine Gruppe von “Unverbesserlichen” aus dem Kreis der Infragekommenden ausschließt. Dies ist die erste wichtige Erkenntnis, die wir uns zueigen machen sollten: Es gibt (eigentlich) keinen, der in unserer Fragestellung von vornherein auszuschließen wäre.

Es gehören immer zwei dazu

Es ist wie in der Kunst: Zu einem Bild gehören zwei – der Künstler und der Betrachter. Malt Künstler ein Bild, doch niemand sieht es an, hat der Künstler den wichtigsten Teil seiner Aufgabe verfehlt. Seine Botschaft, seine Inhalte kommen nirgends an. Mit der Kritik ist es ebenso. Übt ein Mensch an einem anderen Kritik, doch der hört sie sich nicht an, ist die Kritik vergebens – auch hier kommen die Botschaft und die Inhalte nicht an.

Doch wo liegt der Fehler?

Beginnen wir wieder beim Künstler und beim Betrachter: einmal abgesehen von der Problemstellung, der Künstler ließe sein Bild zu Hause und zeige es niemandem, (was ja bedeuten würde: ‘niemand sieht es an’)… – was kann noch dazu führen, dass sich kein anderer sein Bild anschaut? Ganz einfach: das Bild ist schlecht. Es ist mies gemalt, banal oder kryptisch, zu herausfordernd, ordinär oder einfach hässlich. Es gibt reichlich Gründe, ein Bild mit einem kurzen Seitenblick zu streifen, um es danach aus seinem Gedächtnis zu streichen. Kann das beim Kritiküben ebenfalls zutreffen? Nun – nicht umsonst habe ich den Vergleich mit dem Künstler und dem Betrachter gewählt, denn wie schon der Titel dieses Aufsatzes sagt: Es ist eine Kunst, Kritik zu üben. Sie darf nicht mies vorgetragen sein, banal oder kryptisch anmuten, herausfordernd, ordinär oder hässlich sein. Sonst gibt es auch hier für den Adressaten reichlich Gründe, die Kritik nach kurzem Anhören zu verwerfen und aus dem Gedächtnis zu streichen.

Die Kritik beginnt beim Kritikübenden

Halten wir einmal folgendes fest: Die Kritik als solche ist immer ein heikles Thema. Kritik kommt meistens nicht allzu leicht über die Zunge, und ist stets auch nicht leicht anzunehmen. Kritik rüttelt an den Standpunkten, Handlungen oder Auffassungen eines Menschen, und man kann es beinahe schon auf den Selbsterhaltungstrieb reduzieren, dass sich jeder gegen Kritik erst einmal wehrt.

Der Mensch hat seine Würde, seinen Stolz und seine Identität, die auf der Überzeugung der Richtigkeit der eigenen Handlungen und Standpunkte basiert. Diesen Umstand sollte jeder, der Kritik üben will, respektieren. Werden diese Handlungen und Standpunkte in Zweifel gezogen, besteht eine Tendenz, den ganzen Menschen in Zweifel zu ziehen – und hier liegt die Crux des Ganzen: Wie sehr greift die geäußerte Kritik den ganzen Menschen an? Um ihn zu erreichen, scheint es deshalb angemessen, wie unser Künstler vorzugehen: Um seine Botschaft zu vermitteln, wählt er eine angemessene Form, die ankommen kann – nicht banal oder kryptisch, nicht zu herausfordernd, ordinär…

Der Ton macht die Musik

Dies ist die wohl wichtigste Erkenntnis: Man kann nicht nur einfach einen Menschen, der Kritik nicht hören will, als kritik-unfähig abtun. Nein, es kommt darauf an, wie man ihn anspricht. Kritisiert man jemanden wutentbrannt, neigt man zu Übertreibungen: “… du hast ja noch nie … ” und “… immer musst du …” Derlei Wendungen verallgemeinern das Verhalten des anderen ungerechtfertigt, und zwingen ihn förmlich zum Widerstand. Wird Kritik zu harmlos geäußert, läuft sie Gefahr überhört zu werden, ist sie sachlich nicht richtig, fordert die abermals Widerstand heraus. Der Kritisierende steht unmissverständlich in der Verantwortung, seine Kritik in kluger, angemessener und fairer Weise zu äußern, sonst hat er es nicht verdient, dass seine Kritik berücksichtigt wird.

Das Hintertürchen

Um nun endlich auf den Punkt zu kommen, was denn nun die ‘Kunst’ bei der Kritik wäre, möchte ich hier den Begriff des ‘Hintertürchens’ in die Diskussion mit einbringen. Einmal angenommen, man hat (beim Kritiküben) alles vorher Erwähnte berücksichtigt, und es geschafft, bei einem Mitmenschen Gehör für seine Kritik zu erlangen. Dann tut man gut, ihm ein Hintertürchen aufzustoßen – ein Hintertürchen, durch das er entkommen kann, sollte ihm die Sache zu ‘heiß’ werden.

Der Moment, da er das Vorhandensein dieses Hintertürchens erkennt, wird ihn beruhigen, ihm Vertrauen signalisieren. Das könnte so aussehen, dass man die eigene Fehlerhaftigkeit erwähnt, eine kleine Mitschuld einräumt (selbst wenn sie gar nicht vorhanden war), oder dem Kritisierten signalisiert, dass man nicht vorhat, ihn nun ‘fertig zu machen’, sollte er den Mut haben, seinen Fehler einzugestehen. Drehen wir den Fall um: man ist selbst der Kritisierte. Spürt man dieses Entgegenkommen des Anderen, hat man Anlass, sich die Kritik auch anzuhören, denn man wird Schonung erfahren, und Respekt für die Bereitschaft, sich eine Kritik anzuhören.

Der Moment der Wahrheit

Erst jetzt ist der Punkt erreicht, da man wirklich damit beginnen kann, den eigentlichen Streitpunkt aufzurollen und ihn zu diskutieren. Es mutet schon beinahe grotesk an – denn bisher kam dieser Faktor noch gar nicht zur Sprache. Man sieht hier ganz leicht, wie kompliziert der ganze Fall ist, muss man sich doch erst einmal eine ganze Weile mit dem ‘wie’ (wird die Kritik geübt/angenommen) auseinandersetzen, ehe man zum Kern des Ganzen gelangt, dem Streitpunkt selbst. Nun können freilich die Meinungen wieder auseinander treiben, aber das Wichtigste ist schon einmal geschafft: Man hat eine gewisse Streitkultur erreicht, man geht respektvoll miteinander um, verletzt sich nicht, und arbeitet konstruktiv an der Lösung des Problems.

Das Wesentliche

Kritik anzunehmen, bedeutet sich zu öffnen. Man stößt eine Tür zwischen sich und dem anderen auf – und sobald diese Tür offen ist, ist der Kritisierte auch verletzbar. Es gibt zahllose Möglichkeiten diese Verletzlichkeit auszunutzen, um dem anderen “noch richtig eins zu verpassen” – und damit verdirbt man alles. Im Gegenteil: wenn man in diesen Momenten der Verletzlichkeit dem anderen signalisiert, dass man nicht vorhat, auf ihm herumzuhacken, sondern ihm zeigt, dass man ja selbst auch fehlerhaft ist, selbst schon mal ‘Mist gebaut’ hat und es für diesen kostbaren Moment dabei bewenden lässt, dass sich der andere geöffnet hat, tut man sich selbst und seinem Gegenüber den größten Gefallen.

Zugleich sollte aber auch der Kritisierte diesen ‘kostbaren Moment’ nicht verpassen, und Bereitschaft signalisieren, die Kritik zu beachten und zu prüfen, um gegebenenfalls seinen Standpunkt zu überdenken. Nichts ist erleichternder, als in einem Fall, da man sich in einen Fehler verrannt hat, einfach mal ‘die Hosen runterzulassen’ und zuzugeben, dass man etwas falsch gemacht hat.

Wenn man die ‘Kunst der Kritik’ auf diese Weise begreift und eine gute Streitkultur pflegt, kann Kritik einen ungeahnten Effekt hervorrufen: Sie kann (entgegen allem, was man glauben mag) vertrauensbildend wirken. Der Kritisierende gewinnt das Vertrauen, dass der Kritisierte sich zu öffnen bereit ist, und Letzterer macht die beruhigende Erfahrung, dass es nicht darum geht, ihn in Stücke zu zerreißen, sondern nur, um einen strittigen Punkt zu klären. Das alles ist gänzlich unabhängig vom eigentlichen Streitpunkt.

 

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