Rituelle Tätowierungen

Rituelle Tätowierungen

Niemand weiß genau zu sagen, wann und wo die Tradition von Tätowierungen begonnen hat und vor welchem Hintergrund. Die Anthropologie geht inzwischen davon aus, dass sie parallel an verschiedenen Orten der Erde, in verschiedenen Gemeinschaften entstanden.

Tätowierungen dienen, wie andere bewusste Manipulationen des Körpers, unterschiedlichen Zwecken. Sie können Zeichen der Herkunft und sozialen Zugehörigkeit sein, insbesondere im Kontext der Sexualität der Unterstreichung von physischen Eigenschaften dienen. Manche sind Ausdruck eines bestimmten Schönheitsideals, andere werden genutzt, um Menschen bewusst Furcht einzuflößen.

Einen sehr weit gefächerten Überblick über die unterschiedlichen Facetten und Ausprägungen dieses kulturellen Phänomens bietet das Buch „Body Modification“ von Erich Kasten (Ernst-Reinhardt-Verlag, München und Basel 2006). Seit Jahrtausenden gibt es auch – besonders im außereuropäischen Raum, speziell in Asien und Polynesien – Tätowierungen, die eine rituelle und magische Bedeutung besitzen.

Schutzzauber, die unter die Haut gehen

So wurden Schutzzauber nicht nur als Amulette am Körper getragen, sondern auch direkt auf die Haut tätowiert oder in sie eingeritzt.  Darstellungen von Tieren stellten die Verbindung zum persönlichen Totem her. Zeichen und Symbole mit magischer oder heilender Kraft wurden im Rahmen von Therapien zur dauerhaften positiven Beeinflussung der Gesundheit auf den Körper aufgebracht.

Da die Bibel (3. Mose 19,28) das Tätowieren untersagt, kamen im Bereich christlichen Glaubens erst im Mittelalter Tätowierungen auf. Es handelte sich – wo ein spiritueller Inhalt transportiert werden sollte – meist um christliche Symbole wie das Kreuz, doch wurden auch der Name Jesu und die von Heiligen als Schutz und gleichzeitig als Bekenntnis und Verpflichtung in die Haut eingeritzt.

Eine Reihe der modernen Motive gehen auf rituelle Zusammenhänge zurück, diese Verbindung ist jedoch oft für die Trägerinnen und Träger weder ersichtlich noch relevant. Das wiedererstarkte Interesse am kultischen Leben früherer Kulturen hat zum Beispiel auch zu einem begrenzten Revival ihrer Symbole geführt. Als ein Beispiel seien die Runen der Germanen genannt. Sie zählen heute zu den Standard-Angeboten der Tätowierer.

 

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