Theosophie

Den Ansatz, die Welt mit den Werkzeugen des rationalen Verstands ergründen zu wollen, ist uns bestens bekannt; schnell fallen einem Beispiele bedeutender Denker wie Sokrates, Rosseau oder Albert Einstein ein und auch über den wichtigen Stellenwert einer rationalen Herangehensweise an das große Geheimnis „Leben“ ist man sich in der Regel einig. Doch mit „Geheimnis“ ist gerade ein wichtiges Schlüsselwort gefallen, denn so sehr uns auch Verstandesdenken oder die wissenschaftliche Arbeit im Allgemeinen immer tiefere Einblicke verschaffen, so muss uns mit wachsendem Wissen doch auch eines klar werden: Ein absolutes Ergründen der Welt auf der Basis des Verstandes ist uns nicht möglich.

Hier kommt die Theosophie ins Spiel: Der Begriff „Theosophie“ entstammt dem Griechischen und ist aus den Wörtern „theos“ (Gott oder Göttlichkeit) und „sophia“ (Weisheit) zusammengesetzt – kann also mit „göttlicher Weisheit“ übersetzt werden. Jene Weisheit, so lautet eine der Ideen der Theosophie, durchdringt das gesamte Universum, uns Menschen eingeschlossen. Der Weg zu dieser und anderer Einsichten gelingt nach Meinung der Theosophen durch intuitive Betrachtung; der rationale Verstand spielt eine untergeordnete Rolle.

Bei Erwähnung des Begriffs „Theosophie“ muss noch auf eine historisch bedingte Unterscheidung hingewiesen werden: Zum einen wird damit eine schon seit unbestimmbarer Zeit bestehende philosophische Richtung bezeichnet, die unter anderem die oben beschriebenen Thesen umfasst. Eine esoterische Bewegung des 19. Jahrhunderts, die von der Okkultistin Helena Petrovna Blavatsky begründet wurde, wird ebenfalls mit „Theosophie“ betitelt, ist jedoch klar von der ersten Definition zu trennen; im Folgenden wollen wir uns auch auf diese sogenannte „klassische Theosophie“ beschränken.

Die Idee, dass die „göttliche Weisheit“ allem zugrunde liegt, was existiert – seien es Moleküle, Pflanzen, Tiere, Planeten oder wir Menschen –, ist einer der wichtigsten Grundsätze der Theosophie. Daraus wird eine weitere elementare These abgeleitet: Die Einheit aller Wesen im Universum. Das Göttliche zeigt sich im Leben zum Beispiel durch unseren Intellekt, unsere Psyche oder unsere einzigartigen Körpermerkmale; Alles, was wahrgenommen werden kann, ist also nach dem Verständnis der Theosophen ein materieller Ausdruck der göttlichen Weisheit. Die Materie, einschließlich unserer Körper, ist dem kosmischen Prozess unterworfen: Sie entstammt einem göttlichen Ursprung und kehrt dorthin auch wieder zurück.

Durch den gemeinsamen Nenner des Göttlichen wollen Theosophen auch die Begriffe Altruismus und Mitleid erklärt sehen: Zum einen begründen sie den „göttlichen Kern“ jedes Menschen als die Ursache dafür, dass die gesamte Menschheit miteinander verbunden ist. Auch wird der Einfluss unserer Gedanken und Gefühle auf unsere Mitmenschen betont. Als Maßgabe für gerechtes Handeln soll die Intuition, also das Vertrauen auf das Göttliche in einem selbst, dienen.

Ein wesentliche Überzeugung der Theosophen ist es auch, dass die spirituelle Entwicklung eines jeden Menschens einzigartig ist und der Versuch, anderen Menschen „den richtigen Weg“ aufzwängen zu wollen, als schädlich angesehen wird.

 

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