Der Codex Gigas: Eine Legende

Der Codex Gigas: Eine Legende

Viele Bücher geben auch heute noch Rätsel auf. Ein Buch dieser Art ist der Codex Gigas. Auch als Teufelsbibel bekannt, beflügelt es die Phantasien der Menschen und aufgrund seiner ungewöhnlichen Eigenschaften und seiner geheimnisvollen Geschichte drehen sich heute noch viele Mythen um das Buch, dessen Verfasser bis heute noch nicht eindeutig identifiziert werden konnte.

Harte Strafen im Kloster

Polen 1229. Hinter den Mauern des Klosters herrschen strenge Regeln. Keinem Mönch ist es gestattet, die Regeln zu brechen, Ausnahmen gibt es keine. Immer wieder müssen Mönche vor den Abt treten, welcher die Anschuldigungen bewertet. Die Strafen für die Verstöße wirken aus heutíger Perspektive unverhältnismäßig. Bei harmlosen Verstößen kann es zum Auschluß aus der Klostergemeinde kommen, bei schweren Verstößen droht ein qualvoller Tod.

Häufig wurden Mönche in die Mauern des Klosters lebendig eingemauert. Sie mussten in der Dunkelheit auf ihren Tod durch Verhungern oder Verdursten warten. Die Schreie der Todgeweihten waren nur schwach zu hören. Wer ihnen half, wurde ebenfalls mit dem Tod bestraft. Es gab dennoch eine Möglichkeit, dem Tod zu entkommen: Die Mönche mussten eine Leistung erbringen, die das Kloster lobpreiste.

Der Teufel half bei der Erstellung

Nach der Legende des Codex Gigas wurde der Mönch, der das Werk erstellt hat, zum Tod verurteilt. Um seinem Schicksal zu entgehen, sicherte er zu, das gesamte menschliche Wissen in einer einzigen Nacht aufzuschreiben. Der Abt des Klosters gewährte ihm dies zu, wonach der Mönch schließlich in seine Kammer eingeschlossen wurde. Hier begann er mit den Aufzeichnungen. Die Arbeiten an dem Buch zogen sich sehr lange hin.

Der Mönch bemerkte nach kurzer Zeit, dass er das Buch nicht alleine schreiben konnte. Um seinem Schicksal zu entgehen, bat der Mönch den Teufel um Hilfe. Die Überlieferung besagt, dass der Herr der Finsternis der Bitte nachkam. Er beendete das Buch für ihn, sodass der Mönch am nächsten Morgen sein fertiges Werk präsentieren konnte. So konnte er seine Bestrafung verhindern. Als Dank für dessen Hilfe soll der Mönch das berühmte Teufelsbild in der Bibel verewigt haben. Dieses gibt noch heute viele Rätsel auf, da es eigentlich nicht in die heiligen Schriften passt.

Sind die Fakten Zeugen der Richtigkeit?

Obwohl die Geschichte in der Moderne belächelt wird, gibt es trotzdem einige erstaunliche Fakten zu diesem Buch. Viele Wissenschaftler sind auch heute noch der Meinung, dass der Codex Gigas in kurzer Zeit geschrieben worden ist. Als Beleg dafür wird vor allem der Umstand genannt, dass typische Abweichungen bezüglich des Stils oder des Schriftbilds nicht vorhanden sind. Daher kann durchaus davon ausgegangen werden, dass das Alter, der Gesundheitszustand sowie die Stimmung des Autors beim Schreiben gleichbleibend war.

Diese Umstände führten schließlich zur Auffassung, dass der Codex Gigas innerhalb einer äußerst knappen Zeitspanne entstanden ist. Aufgrund von Analysen des Schriftbildes kann zudem vermutet werden, dass es sich beim Verfasser um eine einzige Person handelt. Die Identität dieser Person, blieb allerdings bis heute ungeklärt. Hinweise aus dem Buch selbst sind nur vage und Anhaltspunkte innerhalb der Klöster gibt es nicht.

Im Codex Gigas sind die Bibel sowie weitere Schriften enthalten. Beispielsweise wurden regionale Wunder in dessen Sammlung beschrieben. Ein Kalender sowie die Erwähnung verschiedener Klosterbrüder und Vermerke auf andere Bücher sind in dem Werk ebenfalls protokolliert. Die Abbildung des Teufels passt jedoch tatsächlich nicht in die Schriftensammlung, sodass die Symbolik und der Sinn des Bildes auch weiterhin ungeklärt sein wird. Genau dieses Bild ist ein Teil der Mystik, die dieses Buch umgibt. Vieles konnte trotz sorgfältiger Untersuchungen nicht geklärt werden. Zudem handelt es sich um ein Buch, das viele Widersprüche in sich vereint. Das Rätsel der Teufelsbibel wird wohl auch in Zukunft lebendig bleiben.

 

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