Der Codex Gigas: Geheimnisvoll und faszinierend

Die Büchse der Pandora

Um kaum ein anderes Buch ranken sich so viele Mythen wie um die Teufelsbibel. Der Codex Gigas, wie das Werk auch genannt wird, soll einer Legende nach vom Teufel selbst geschrieben worden sein – In nur einer einzigen Nacht. Doch nicht nur diese Legende fasziniert die Menschen. Auch die Erscheinung des Buches ist faszinierend.

Stammt die Teufelsbibel von einer einzigen Person?

1229 wurde das Buch in einem Benediktinerkloster in Böhmen geschrieben. Verschiedene Schriftanalysen deuten daraufhin, dass nur eine einzige Person an dem Werk arbeitete, dessen Name durch eine Abbildung des Teufels entstand. Der Name Codex Gigas hingegen steht für eine weitere Tatsache, die das Buch zu einer Einzigartigkeit macht: Die Größe. 92 Zentimeter ist das Buch hoch, 50 Zentimeter beträgt seine Breite. Die Dicke von rund 22 Zentimetern setzt sich aus 320 Pergamentblättern zusammen.

Rund 75 Kilogramm wiegt das Buch, dessen Einband aus Holz besteht und mit Metallornamenten und Leder verziert wurde. Klarheit und Einfachheit prägen das Schriftbild. Es handelt sich dabei um eine karolingische Minuskel, die im 8. Jahrhundert von Karl den Großen entwickelt wurde. Eine Schrift, die durch Einfachheit und Alltagstauglichkeit besticht. Daher wurde sie an vielen Stellen verwendet. Viele Klöster bedienten sich dieser Schriftform, die zur Vereinfachung der Verwaltung gedacht war. Auffallend sind vor allem die kunstvoll verzierten Anfangsbuchstaben einer Seite, wie es während dieser Epoche durchaus normal war. Das restliche Schriftbild ist sehr klein gehalten, wodurch der Text nochmals in einem besonderen Licht erscheint. Zugleich wurde Latein als Sprache gewählt. Dieser Fakt ist allerdings für Klöster nicht ungewöhnlich. Die meisten Schriften dieser Zeit wurden in der Sprache der Gelehrten verfasst, sodass an der Sprache selbst kein Mysterium zu erkennen ist.

Die Legende besagt, dass das Buch in nur einer einzigen Nacht entstanden sein soll. Ein Fakt, der logisch betrachtet nicht der Wahrheit entsprechen kann. Allerdings wurde das Buch nach neuen Untersuchungen tatsächlich nur von einer einzigen Person geschrieben. Weder Veränderungen des Schriftbildes durch die Stimmung, noch durch Erkrankung oder das Alter sind zu erkennen. Daher geht die moderne Wissenschaft durchaus davon aus, dass das Buch tatsächlich in sehr kurzer Zeit entstanden sein muss. Wie sonst erklärt sich die Gleichmäßigkeit innerhalb der Schrift. Auch der Teil der Legende, dass der Teufel den Codex Gigas selbst geschrieben hat, erhält durch das Buch selbst Nahrung. Die Abbildung des Teufels steht allerdings in keinem direkten Zusammenhang mit den Inhalten des Buches. Zugleich ist die Abbildung unverhältnismäßig groß.

Das Aussehen des Codex Gigas

Ob der Teufel das Werk tatsächlich verfasst hat, sei dahingestellt. Die Inhalte des Buches sprechen jedenfalls dagegen. Es besteht aus mehreren unterschiedlichen Büchern. Den Auftakt bildet die Bibel mit ihren Texten. Danach folgt die Etymologiae von Isidor von Sevilla sowie weitere Bücher und Traktate. Eine Aufstellung der Mönche des Klosters, ein Kalender, Wunder sowie einige lokale Aufzeichnungen runden die Inhalte des Buches ab. Bemerkenswert ist, dass innerhalb des Buches acht Seiten fehlen, die herausgerissen wurden. Welche Inhalte auf diesen Seiten zu finden waren, ist nicht überliefert. Vermutet wird allerdings, dass die Seiten mit den Regeln des Klosters bestückt waren, die gerade zur Zeit der Entstehung umfangreich waren. Belege hierfür gibt es allerdings nicht.

Bemerkenswert ist auch die Gestaltung des Teufels innerhalb der Bibel selbst. Die Zeichnung ist rund 50 Zentimeter hoch und zeigt den Teufel mit Krallen und Hörnern. Eine Besonderheit sind die Seiten vor und nach der Zeichnung. Während das Buch einspaltig geschrieben wurde, sind die Seiten vor und nach der Zeichnung zweispaltig. Zugleich wurde auch auf die normale Einteilung mit hellem Hintergrund und dunkler Schrift verzichtet. Vielmehr wurde der Hintergrund dunkel gehalten und mit einer hellen Schrift versehen. Bei einigen dieser Seiten wurde sogar auf eine Beschriftung verzichtet, sodass zwar die zweispaltige Einteilung erkennbar ist, jedoch kein Text aufgeführt wurde. Abbildungen sind in den Farben Rot, Grün, Gelb und Gold gehalten. Farben, die im 13. Jahrhundert in solchen Werken allerdings eher als Standard angesehen werden können.

Auch in Zukunft ein Mysterium

Ob die Teufelsbibel tatsächlich vom Teufel geschrieben wurde, kann und sollte durchaus bezweifelt werden. Dennoch ist es ein ungewöhnliches Buch, das noch immer viele Geheimnisse in sich trägt. Geheimnisse, die vielleicht niemals entschlüsselt werden können. Noch heute beschäftigen sich viele Wissenschaftler mit den Schriften. Ein Zusammenhang zwischen dem berühmten Bild und den Texten vor und nach dem Bild konnte ebenso wenig gefunden werden, wie im übrigen Text. Daher wird der Codex Gigas die Phantasie der Menschen noch eine lange Zeit beflügeln.

 

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