Vorurteile und ihre Folgen

Der Aszendent Waage

Vorurteile sind überlebenswichtig. Wie wir zu dieser gewagten These kommen? Nun ja, wann immer wir beispielsweise ein für uns bisher unbekanntes Gebäude betreten möchten, hilft uns ein „Vorurteil“, das wir in einer ziemlich frühen Phase unseres Lebens über Türen gebildet haben, dabei, den Eingang zu finden: Wir nehmen eine Konstruktion wahr, die wir als „Tür“ erkennen und ziehen daraus – basierend auf Erfahrungen – gewisse Rückschlüsse auf die Funktionsweise dieser „Tür“.

Was nach einem banalen Beispiel klingt, gibt Aufschluss darüber, wie wir als Menschen auf unsere Umfeld reagieren. Und dass eine solche Vorurteilsbildung das Überleben sichern kann, liegt insofern auf der Hand, da in Gefahrensituationen meist blitzschnelles Handeln über Leben und Tod entscheidet. Und da wir kaum lebensfähig wären, wenn wir unser Umwelt – also sowohl Sachen, Situationen als auch Menschen – ständig bewusst bewerten müssten, ist es verständlich, dass diese mentalen „Programme“ unbewusst ablaufen.

Der erste Eindruck

Hier liegt die Krux, denn meist merken wir gar nicht, dass unsere Meinung von einer Person, wenn wir ihr zum ersten Mal begegnen, durch diese unbewussten Programme maßgeblich beeinflusst wird: Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Menschen auf die Frage hin, ob sie selbst Vorurteile besitzen, mit einem entschiedenen Nein antworten. Neben der Gefahr des unerkannt bleiben bringen Vorurteile aber auch die Qualität mit, selbsterfüllende Prophezeiungen zu werden; denn was wir erfahren und wahrnehmen, ist nicht die Realität selbst, sondern ein Abbild von ihr, dass immer gefärbt ist von unseren ureigenen Erfahrungen und dem, was wir von ihnen – bewusst oder unbewusst – abgeleitet haben. Haben wir also beispielsweise ein Vorurteil gegen eine bestimmte soziale Gruppe, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir uns in unserer Meinung bestätigt sehen – aus dem Grund, weil es unserem subjektiven Bild von der Realität entspricht.

Beispiele für tragische Folgen von Vorurteilen in der Geschichte der Menschheit gibt es unzählige: Neben der Sklaverei in den USA ist die Judenfeindlichkeit ein besonders trauriges Kapitel und zeigt mit den Gräueltaten der Nazis, wie verheerend die Folgen von Vorurteilen sein können. „Nie wieder“ lautet die ohne Zweifel wichtigste Lehre, die aus dem Holocaust gezogen werden kann – und um diese Forderung zu erfüllen, ist ein bewusster Umgang mit vorherrschenden Vorurteilen nötig, der mit dem Hinterfragen unserer eigenen Ansichten beginnen muss.

Wenn wir einen positiven Schluss aus der Existenz von Vorurteilen schließen können, dann ist das wohl der, dass wir nur dann so gut als möglich unabhängig von Vorurteilen sind, wenn wir ein achtsames Leben führen – und diese Achtsamkeit gegenüber unseren Gedanken und Gefühlen, das beweisen mehr und mehr Studien, ist es auch, dass uns zu einem allgemein glücklicheren Leben führt.

 

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