Lotus – Der Phoenix der Blumen

Lotus – Der Phoenix der Blumen

Der Phoenix ist in der Mythologie verschiedener Epochen und Kulturen immer ein Symbol für Unsterblichkeit, unermüdliches Wachstum, Auferstehung und Stärke gewesen. Ein idealisierter, fast königlicher Vogel, dessen Eigenschaften in der Sage mit der dem Vogel natürlichen Fähigkeit zum Flug in die Höhen verbunden wurde. Eine ähnliche Position nimmt die Lotusblume in der Welt der Pflanzen ein. Auch wenn wir von ihrer materiellen Existenz überzeugt sind, weisen viele Traditionen ihr eine höhere und subtilere Symbolik zu, ähnlich dem Phönix der Sage.

Der Lotus im Lichte der indischen Tradition des Yoga

Die spirituelle Lehrerin Mira Alfassa gab der Lotus Blume die Bedeutung eines perfektionierten, vervollständigten Bewusstseins, also einer sehr hohen spirituellen Realisation. Damit steht sie in einer langen Tradition der Interpretation dieser wunderschönen Blume als spirituelles Symbol hoher Zustände und Aspekte des Göttlichen. Wahrscheinlich kennt jeder, der sich etwas mit fern-östlicher Spiritualität und okkultem Wissen beschäftigt hat das Symbol des Lotus für Chakren, die feinstofflichen Zentren des menschlichen Energiesystems. So wurden im Hinduismus, Buddhismus und Tantra die Eigenschaften der sieben Zentren des Bewusstseins, die sich auf der Mittelachse des Körpers vom Steißbein bis zum Scheitel erstrecken ihrer Beschaffenheit nach durch verschiedene Farben mit unterschiedlich vielen Blütenblättern dargestellt. So haben die unteren Zentren noch wenige Blütenblätter und sind in ihren Farbtönen warm gehalten, während das Kronen-Chakra, dass die Öffnung zum göttlichen Bewusstsein symbolisiert, als goldener, tausend-blättriger Lotus beschrieben wird. Hier kommt also wieder die schöne Symbolik zum Vorschein, die diese Planze mit den höchsten „Flügen“ des menschlichen Bewusstseins assoziiert.

Des Weiteren ist es durch die Entwicklung des Samens zur wunderschönen Blüte des Lotus offensichtlich, warum dieser Vergleich gewählt wurde. Oft wachsen Lotusblumen sogar in den dreckigsten, schlammigsten Gruben der indischen Landschaft, wo ein kleiner, unscheinbarer Samen aus diesem Morast heraus gerade nach oben wächst und dann seine wunderschöne Blüte zum Vorschein bringt. Genau so verstehen viele Yoga-Pfade die Entwicklung des Bewusstseins, die sich auf einem festen, nährreichen Fundament in den unteren Ebenen des Bewusstseins gründet, diese purifiziert und dadurch den Aufstieg in die höheren, lichtvolleren Bewusstseinszustände erlaubt. Wie der Phoenix aus seiner Asche wiederersteht, so wird der Samen aus dem Morast als wundervolle Blüte gen Himmel wiedergeboren, wird unser Bewusstsein durch das Verbrennen unseres Egos in der Flamme der Aspiration (Agni) als spirituelles, seelisches Wesen wiedergeboren.

Verbreitung und Interpretation in anderen Kulturen

Die Beschäftigung mit spirituellen Erfahrungen kann in Indien auf eine Jahrtausende alte Tradition zurückblicken. Viele Kenner der Veden, den ersten schriftlichen Überlieferungen über spirituelle Themen aus der indischen Kultur, würden in ihrer Datierung der Zeit, aus der diese Texte stammen sogar sehr viel weiter zurück gehen, als die heutigen Akademiker dieser Bereiche, die aus der westlichen, rational-materialistischen Sichtweise auf diese Angelegenheit blicken. Die Veden beziehen sich sogar noch auf die „Vorväter“ derer, die diese Texte zusammenstellten und könnten damit weit vor unsere Geschichtsschreibung zurück gehen und mit geheimnisvollen Mythen wie Atlantis und Lemuria zusammenhänge, die ebenfalls über großes spirituelles Wissen verfügt haben sollen. In manchen Geheimnisschulen spricht man ebenfalls davon, dass die Ägypter der Zeit der Pharaonen und Pyramiden Überlebende dieses mythischen Atlantis waren. Interessanterweise finden sich nämlich ganz ähnliche Bezüge auf den Lotus in der ägyptischen Religion, die den tausend-blättrigen Lotus ebenfalls mit dem höchsten Göttlichen assoziieren und auch anderen hohen Symbolen, wie der Sonne und der Purifizierung des Bewusstseins, sowie mit der Auferstehung in Verbindung bringen.

Weniger überraschend scheinen die Verwendungen der Lotusblüte in indischen Traditionen, die sich auf die Veden berufen, wie dem heutige Hinduismus und dem Buddhismus. Allgemein lässt sich jedoch sagen, dass der Lotus in vielen Traditionen, denen ein großes Wissen über spirituelle und okkulte Zusammenhänge nachgesagt wird eine wichtige Rolle spielt und ein zentrales Symbol darstellt. Wie der Phoenix aus der Asche scheint dieses Symbol und seine Nachricht immer wieder zu verschiedenen Zeiten und verschiedenen Orten aufzutauchen. Daher könnte auch für uns heute die Beschäftigung mit diesem Symbol und seiner Schönheit interessant sein – vielleicht erlangen wir einen Einblick in die geheimnisvollen Erfahrungen unserer Vorfahren. Wir könnten uns aber auch einfach vom Anblick des Lotus inspirieren lassen und seine Schönheit in unserem Bewusstsein widerspiegeln lassen.

 

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